Spätestens seit probiotische Joghurts die Kühlregale erobert haben, schwant jedem Laien, dass sich in unserem Darm unzählige Bakterien tummeln. Nützliche Mitbewohner, die unter anderem für die Verdauung wichtig sind, aber vor allem für ein intaktes Immunsystem – immerhin ist der Darm eine der wichtigsten Abwehrlinien unseres Körpers. Bei vielen Menschen allerdings ist das empfindliche Gleichgewicht der Darmbakterien gestört. Die Folgen können dramatisch sein.

Menschen, die unter Morbus Crohn (MC) leiden, werden immer wieder von unererträglichen Bauchschmerzen, Erbrechen und starkem Gewichstverlust geplagt. Die chronische Darmentzündung, die bei einem von tausend Erwachsenen auftritt, ist tückisch. Bis heute wissen Forscher nicht einmal genau, wie die Krankheit entsteht, geschweige denn, wie sie zu heilen ist. Ob nun falsche Ernährung, übermäßiges Rauchen, genetische Veranlagung oder auch psychosomatische Gründe, viele Ursachen und damit auch viele Behandlungsstrategien kommen in Betracht. Etwas helfen konnte bisher aber nur vorsichtige Diät. Erst jetzt wecken die Ergebnisse einer französischen Studie Hoffnung auf Linderung für die Erkrankten.

Im Darm von Morbus-Crohn-Patienten entdeckten die Franzosen Phillipe Langella und Phillipe Seksik eine Bakterien-Spezies, die vielleicht helfen kann, die Krankheit zu behandeln. Die Forscher schreiben im Wissenschaftsmagazin PNAS, dass der Mikroorganismus Faecalibacterium prausnitzii in Menschen mit der Krankheit zu selten vorkommt. Patienten, die sich bereits Teile des Darms aufgrund der Erkrankung entfernen lassen mussten und noch immer zu wenige der besagten Bakterien im Darm haben, müssen zudem oft ein zweites Mal operiert werden.

Seksik und das Team von der Marie Curie Universität in Paris und anderen Forschungsinstituten suchten gezielt nach Unregelmäßigkeiten in der Darmflora von MC-Patienten. Schließlich ging ihnen Faecalibacterium prausnitzii ins Netz. "In Laborkulturen und bei Mäusen haben wir dann festgestellt, dass das Bakterium offenbar entzündungshemmend wirkt", sagt Seksik. So scheidet F. prausnitzii Moleküle aus, welche die Darmschleimhaut beruhigen können. Eine Eigenschaft, die in gesunden Menschen anscheinend gut funktioniert.

Der Fund sei ein wichtiger Schritt, auch um die Krankheit besser zu verstehen, sagt Seksik. Allerdings wird es in naher Zukunft wohl noch keine probiotischen Drinks mit dem Bakterium geben. "F. prausnitzii ist schwer im Labor zu züchten, weil es sehr sensibel auf Sauerstoff reagiert", meint Seksik. Die Forscher versuchen jetzt, die Moleküle zu identifizieren, die die beruhigende Wirkung auf die Darmschleimhaut haben, um dann gezielt Medikamente entwickeln zu können. In einigen Jahren sei so möglicherweise eine Therapie für MC-Patienten denkbar.