Deutschland war lange Zeit stolz auf sein im Vergleich zu anderen Ländern geringes Einkommensgefälle. Das galt als wichtiger Grund für den sozialen Frieden in der alten Bundesrepublik. Doch in den vergangenen zwei Jahrzehnten hat die soziale Ungleichverteilung stark zugenommen.

Dies geht aus einer Untersuchung hervor, die im Auftrag der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erstellt und am Dienstag veröffentlicht wurde. Allerdings wuchs die Einkommensungleichheit zwischen 1985 und 2005 nicht nur in Deutschland, sondern in drei Viertel aller OECD-Länder. Lediglich in fünf Ländern (Frankreich, Spanien, Irland, Griechenland und der Türkei) wurde sie geringer. 

Besonders drastisch war die Entwicklung seit dem Jahr 2000. Seit der Jahrtausendwende ist die soziale Ungleichheit in Deutschland rasant gestiegen – stärker, als in allen anderen 30 OECD-Staaten.

Die Studie geht, weil nur dafür international vergleichbare Zahlen vorliegen, lediglich bis 2005. Neuere Studien des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), das die OECD-Daten im Rahmen des Sozioökonomischen Panels (SOEP) erhoben hat, zeigen jedoch, dass die relative Armut in Deutschland 2006 noch weiter  zugenommen hat. 2007 ist sie aufgrund der sinkenden Arbeitslosigkeit aber wieder deutlich gefallen.

Gehörte Deutschland Mitte der achtziger Jahre laut OECD mit einem Anteil von etwa 6 Prozent Armen noch zu den Ländern mit geringen Einkommensunterschieden, betrug die sogenannte Armutsrate 2005 bereits 11 Prozent. Bei Kindern stieg die Rate in demselben Zeitraum von 7 auf 16 Prozent.

Von relativer Armut sind nach der OECD-Definition Personen betroffen, die über weniger als 50 Prozent des durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommens verfügen. Unter den Industrieländern besitzen die skandinavischen Länder Dänemark und Schweden die geringste Einkommensungleichheit, Portugal, die Türkei und Mexiko die größte.

In allen OECD-Länden hat sich der Studie zufolge zudem das Armutsrisiko von älteren Menschen auf jüngere verlagert. In Deutschland vollzog sich diese Entwicklung am ausgeprägtesten, was auf die relativ gute Altersversorgung zurückzuführen ist.