Eine vom Bildungsministerium geheim gehaltene HIS-Studie belegt die abschreckende Wirkung von Studiengebühren. Nur ein faires Gebührenmodell kann helfen. Ein Kommentar

Die Debatte über die Abschreckungsgefahren von Studiengebühren ist älter als die Gebühren selbst. Schon lange bevor sie Anfang 2005 vom Bundesverfassungsgericht grundsätzlich erlaubt wurden, warnten Kritiker: Ein 500 Euro teures Semesterticket für den Hörsaal könnte vor allem jene jungen Menschen von einem Studium abhalten, die keine gut verdienenden Eltern haben. Die Befürworter von Studiengebühren bestritten dies stets und verwiesen auf Studiengebührenkredite, die geeignet seien, jede soziale Eintrittshürde zu beseitigen.

Lange Zeit krankte die Debatte daran, dass sie keinerlei Datengrundlage hatte. Die sinkenden Studentenzahlen der vergangenen Jahre ließen sich nach Belieben interpretieren: dass alle Bundesländer betroffen sind. Dass die Gebührenländer stärker betroffen sind. Dass einige der Gebührenländer sogar mehr Einschreiber hatten als Nicht-Gebührenländer. Die Folge war eine wenig erquickliche und erst recht nicht aufschlussreiche Diskussion.

Jetzt soll also eine noch unveröffentlichte Studie des Hochschul-Informations- Systems (HIS) belegen, dass sich junge Menschen von den Gebühren in der Tat abschrecken lassen.

Das HIS gehört zu den renommierten Forschungsinstituten im Land, seine Forschungsergebnisse sind über alle Zweifel erhaben. Das weiß auch Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU), eine Parteifreundin jener Unions-Wissenschaftminister in den Ländern, die Studiengebühren eingeführt haben. Ob das der Grund war, warum die Studie bislang nicht veröffentlicht wurde, wie die Gebührengegner ihr jetzt vorwerfen, ist nicht mehr als eine Vermutung.

Bleiben wir bei den Fakten.

Laut jetzt öffentlich gewordener Zitate aus dem HIS-Bericht haben im Abiturjahrgang 2006 bis zu 18.000 Studenten wegen der Gebühren kein Studium aufgenommen. Das ist ein niederschmetterndes Ergebnis. Verwunderlich ist es nicht. Die Studienkredite sind durch ihren hohen Zinssatz derart unattraktiv, dass studieren auf Pump am Ende bis zu dreimal so teuer wird wie Barzahlen oder gar nicht studieren, wenn eben nicht genug Bares da ist.