"Schneller, stärker, früher" heißt der Bericht den der World Wide Fund for Nature (WWF) in Berlin vorgelegt hat. "Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse" haben die Autoren zusammengefasst und kommen so zu einer düsteren Prognose: Die Folgen des Klimawandels werden Mensch und Tier nicht nur viel eher, sondern auch weitaus drastischer treffen als bisher vermutet.

Demzufolge könnte das arktische sommerliche Packeis bis 2040 komplett abgeschmolzen sein. Wissenschaftler vermuten, dass der Meeresspiegel statt der geschätzten 60 Zentimeter gar um mehr als 120 Zentimeter steigen könnte. Die Folgen für die Küstenregionen in Europa wären verheerend. Für Deutschland bedeute dies unter anderem eine Zunahme der Schäden, die durch Stürme verursacht werden, um bis zu 37 Prozent.

Diese  Prognose übersteigt die vorgelegten Zahlen des  Weltklimarates IPCC deutlich, der von über 4000 Wissenschaftlern aus 150 Ländern im vergangenen Jahr verfasst worden war. Neue wissenschaftliche Studien zeigen nun, dass der Klimawandel sich beschleunige, so der WWF.

Die Naturschutzorganisation veröffentlichte ihren Report pünktlich zum heutigen Treffen der EU-Umweltminister in Luxemburg und apellierte an die Poltiker, ein Klimaschutzpaket vorzulegen, das diesen Namen auch verdiene. Der WWF forderte das bereits vereinbarte Ziel, den Anstieg der globalen Temperaturen bis Mitte dieses Jahrhunderts auf zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Niveau zu begrenzen, nicht aufzugeben.

Auch der deutsche Umweltminister Sigmar Gabriel  forderte vor Beginn der Gespräche, ungeachtet der Finanzkrise an den Klimazielen festzuhalten. Wenn überhaupt, müsse die Krise dazu führen für den Klimaschutz "noch mehr zu tun", etwa beim Energiesparen. Mit dem Gesetzeswerk wollen sich die EU-Staaten auf ehrgeizige Klimaschutzziele verpflichten. Nicht nur der Kohlendioxid-Ausstoß soll  gesenkt werden, sondern auch mehr erneuerbare Energien wie Biosprit oder Windkraft zum Einsatz kommen. Die Regierungen und das Europaparlament streiten derzeit über die Lastenteilung.

Nach Ansicht des WWF sind allerdings drastischere Maßnahmen notwendig, um die katastrophalen Folgen des Klimawandels noch halbwegs zu beherrschen. Dafür müsse der CO 2 -Ausstoß in allen 27 Mitgliedsstaaten der EU bis 2020  um mindestens 30 Prozent unter die Werte von 1990 sinken. Bislang war für das Klimaschutzpaket der EU ein Rückgang der Emissionen um ein Fünftel in der Diskussion. Der WWF apellierte zudem für die gänzliche Einstellung der Kohlendioxidemissionen bis 2050 und für zusätzliche Investitionen in den Klimaschutz auch in den Entwicklungsländern. Zwischen 2000 und 2004 sei dem Bericht zufolge der CO 2 -Ausstoß fast dreimal so stark gestiegen wie im Vergleichszeitraum von 1990 bis 1999.