Was war das für ein Buhei, den die Kanzlerin den ganzen Sommer über veranstaltet hat: Grundsatzreden, Bildungsreise, Gipfeltreffen. Die "Bildungsrepublik Deutschland" war Chefsache. Und jetzt?

Die Abschlusserklärung des Dresdener Bildungsgipfels liest sich wie ein Dokument des Scheiterns . In Kern besteht sie aus Leerstellen, vagen Versprechen und unverbindlichen Absichtserklärungen. Auf so etwas kommen Politiker immer dann, wenn sie ihre Uneinigkeit kaschieren wollen. Dazu gründen sie einen Arbeitskreis, der in diesem Fall "Strategiegruppe" heißt und seine Ergebnisse erst nach der Bundestagswahl vorlegen soll, also wohl nie. Von den wortreichen Ankündigungen der Kanzlerin und dem Bildung-für-alle-Versprechen ist nicht viel übrig geblieben.

Der Bildungsgipfel hat Angela Merkel entzaubert. Sie ist vor allem am Widerstand ihrer eigenen Parteifreunde gescheitert. Die CDU-Ministerpräsidenten sind einerseits bei dem Thema untereinander total zerstritten. Andererseits gönnten sie der Kanzlerin nicht den Erfolg, genauso wenig wie ihre SPD-Kollegen. Schließlich regiert in Sachen Bildung in Deutschland Kleinstaaterei.

Die christdemokratischen Provinzfürsten empfanden allein die Tatsache, dass sich die Kanzlerin so vehement für die Bildung engagierte, als föderalen Affront. Auch deshalb ließen die eigene Kanzlerin auflaufen. Wenn sich Merkel mit dem groß angekündigten Treffen als Bildungspolitikerin profilieren und für den Wahlkampf rüsten wollte, ist sie damit grandios gescheitert.

Natürlich hätte es noch schlimmer kommen können. Noch am Mittwochmorgen sah es so aus, als könnten sich Bund und Länder überhaupt nicht einigen. Da verlangten die CDU-Länder noch ultimativ eine höhere Beteiligung an der Umsatzsteuer. Die SPD beharrte darauf, dass der Bund für ihre Schulsozialarbeiter mit bezahlt. Immerhin hat Merkel sich also insofern durchgesetzt, dass es überhaupt eine Abschlusserklärung gab.

Doch ausgerechnet dort, wo es ans Eingemachte geht, nämlich um die Aufteilung jener etwa 25 Milliarden, die eine bessere Bildung kosten würde, da haben Bund und Länder ihren Dissens sogar schriftlich festgehalten. Die Kanzlerin war weder bereit, den Ländern mehr Geld aus dem Bundeshaushalt zu geben, sich ihre Zustimmung also zu erkaufen. Noch war sie in der Lage, ihre eigenen Parteifreunde mit der Autorität einer Kanzlerin und Parteivorsitzenden auf einen gemeinsamen Kurs einzuschwören.