Seinen emotionalen Höhepunkt erreicht der 74. Parteitag der CSU, der an diesem Samstag in den Münchner Messehallen stattfindet, bereits nach wenigen Minuten. Am Rednerpult steht die gescheiterte Generalsekretärin Christine Haderhauer. Als sie den "amtierenden Ministerpräsidenten von  Bayern, Günther Beckstein" begrüßt wird sie von minutenlangem Beifall unterbrochen.

Der Angesprochene sitzt ganz vorne, in der ersten Reihe, neben seinem designierten Nachfolger, Horst Seehofer. Klein, zusammengesunken und mit jenem versteinerten Gesicht, das seit dem Wahldebakel zu seinem Markenzeichen geworden ist. Doch als die Kameras ihn in den Fokus nehmen und er überlebensgroß auf der Leinwand über der Bühne erscheint, können die knapp tausend Delegierten im Saal es alle sehen: Der Mann, der erst vor kurzem in einem Interview noch sagte, er habe keine Gefühle mehr, ringt um Fassung. Er weint.

Es wird an diesem Tag nicht das einzige Mal sein, dass Günther Beckstein sein großes weißes Taschentuch zücken muss. Über ihm, der sich für die Partei im letzten Wahlkampf so unermüdlich aufgerieben hat, schlägt nun, da sein Rücktritt sicher ist, eine Woge des Wohlwollens zusammen.

Schwerer hat es da schon der scheidende Parteichef Erwin Huber. Stärker als Beckstein wird ihm der Verlust der jahrzehntelangen absoluten Mehrheit bei der Landtagswahl angekreidet, das Debakel bei der Bayerischen Landesbank hat ihm ebenfalls schwer geschadet.

Weil er keinen Vorredner hat, muss er nun gewissermaßen die Abschiedsrede auf sich selbst halten. Vor 40 Jahren, erinnert er sich, hat er erstmals an einem CSU-Parteitag teilgenommen, seit 30 Jahren sitzt er im Landtag, seit 20 Jahren ist er Generalsekretär. Vor ziemlich genau einem Jahr wurde er dann Parteichef. "Die Partei hat mir viele große Aufgaben gegeben", sagt Huber. Und setzt ironisch hinzu: Als Niederbayer neige er möglicherweise dazu, vor gar nichts zurückschrecken. Am Ende wird dann doch auch für ihn noch mal ordentlich geklatscht, und erstmals seit vielen Wochen heben sich die Mundwinkel des Erwin Huber wieder. Er lächelt.

Die Partei ist um Versöhnung bemüht, aber nicht nur. Wie tief die Gräben und die Verletzungen sind, die die vergangenen Wochen hervorgerufen haben, hat sich schon gleich zu Anfang gezeigt, als der einstige Parteichef Edmund Stoiber bei der Begrüßung Buhrufe entgegennehmen muss. Vor allem die Franken halten ihn für den eigentlichen Schuldigen am Rücktritt Becksteins. Viele nehmen ihm Übel, dass er sich im Wahlkampf zu wenig engagiert habe.