Das Hilfspaket solle Ungarn helfen, "dem Druck des Marktes zu widerstehen", der sich trotz der Fortschritte in der Wirtschafts- und Finanzpolitik des Landes gebildet habe, teilte die EU-Kommission mit. Das bisher als Wirtschaftsmusterstaat geltende ehemalige kommunistische Land ist das zweite nach Island, das durch die weltweite Finanzkrise an den Rand des Staatsbankrotts geraten ist.

Vom IWF bekommt Ungarn nun als kurzfristige Stütze 12,5 Milliarden Euro, von der EU 6,5 Milliarden und von der Weltbank 1 Milliarde Euro. Ungarn verpflichtete sich, die Hilfsaktion durch ein politisches Programm zu flankieren. Es soll für mehr Wachstum sorgen.

Ungarns Ministerpräsident Ferenc Gyurcsany hatte die Finanzhilfe dringend erbeten, damit sein Land seinen finanziellen Verpflichtungen weiter nachkommen kann. Wie auch andere osteuropäische Staaten und eine Reihe von Schwellenländern ist Ungarn darauf angewiesen, auf dem internationalen Kreditmarkt Anleihen aufzunehmen, bekommt dort aber wegen der Finanzkrise fast keine Kredite mehr, da die Banken kaum noch Geld verleihen.

Die EU-Hilfe gründet auf einer Verordnung vom Februar 2002, wonach EU-Mitglieder finanziellen Beistand erbitten können, wenn sie "von Leistungs- oder Kapitalbilanzschwierigkeiten betroffen oder ernstlich bedroht sind". Dafür kann die EU-Kommission auf dem Kapitalmarkt Anleihen in Höhe von maximal zwölf Milliarden Euro aufnehmen. Erst am Dienstagabend hatte der französische Präsident Nicolas Sarkozy als derzeitiger EU-Ratsvorsitzender dafür plädiert, diesen Nothilfe-Fonds auf 20 Milliarden Euro zu erhöhen. Die Gewährung solcher Hilfe ist mit wirtschaftspolitischen Bedingungen verbunden, die vom EU-Ministerrat festgesetzt werden.

"Die ungarische Regierung hat ein umfassendes Paket geschnürt, das die Wirtschaft stärken wird", begründete der Direktor des IWF, Dominique Strauss-Kahn, in einer in Washington verbreiteten Erklärung den Milliardenkredit. Der EU-Kommission zufolge hat sich die ungarische Regierung verpflichtet, sowohl die Konsolidierung als auch Reformen des Staatshaushalts voranzutreiben.