Es gibt sie, die Wunderwaffe gegen all unsere zwischenmenschlichen Probleme: heißer Kaffee. Ja, Sie haben richtig gelesen: Das Getränk könnte die Krisen der Welt lösen. Nicht, wie Sie vielleicht denken mögen, indem wir es trinken. Es reicht aus, die warme Tasse einfach nur zu berühren und schon geht uns das Herz auf.

Kein Scherz: Genau das haben Forscher der Yale Universität in den USA belegt. Wer sich kurz an einer Tasse heißen Kaffee wärmt, schätzt eine fremde Person eher als warmherzig ein. Wer hingegen seine Pranke an einem Glas Eiskaffee reibt, hält denselben Unbekannten für kaltschnäuzig. Brandheiße Erkenntnisse sind dies. Die Psychologen resümieren: Allein das Gefühl von Wärme, ausgelöst durch den heißen Kaffee, aktiviere im Gehirn die Erinnerung an die frühkindliche Wärme, die wir von unseren Eltern bekommen haben. Diese Kinderhitze verbinden wir schließlich mit  Vertrauen und Geborgenheit.

Das lässt ganz neue Möglichkeiten vor dem Auge des Weltverbesserers erscheinen: Wärme als Lösung für Beziehungsprobleme? Eine wunderbare Vorstellung, oder? Wie wäre es mit neuen Mitteln gegen die Krisen und Konflikte dieser Welt, Umarmung oder Handauflegen (gewärmt, versteht sich)? 

Was wäre uns alles erspart geblieben, hätten die Forscher ihre Ergebnisse nur rechtzeitig veröffentlicht. Vieles ergibt jetzt endlich einen übergeordneten Sinn: Konnte denn niemand die Banker und Spekulanten dieser Welt  in ihrer Kindheit einfach mal in den Arm nehmen und herzen? Dann wäre es mit der Finanzwelt erst gar nicht so bergab gegangen. Den Managern wäre bei soviel Herzenswärme doch die Lust aufs Abkassieren vergangen. Vielleicht hätten sie, wie einst Sankt Martin von seinem Lodenmantel, uns sogar etwas von ihrem Geld abgegeben?

Auch der Umkehrschluss der Erkenntnisse bietet Raum für weltverbessernde Maßnahmen. Wenn fröstelnder Kaffee schon die Geißel der Menschheit ist, wie ist es dann erst mit den uns allen so verhassten kalten Füßen? Die deutsche Fernsehwelt wäre noch auf ihrem Zenit, hätte jemand dem armen Herrn Reich-Ranicki nur eine Wärmflasche auf die Füße gelegt, anstatt ihn stundenlang beim Fernsehpreis sitzen und dort seine Zehen auskühlen zu lassen. Kein Wunder also, dass er zum Sturm auf die Bastion Fernsehen aufruft.

Heißer Kaffee wird auch im US-Wahlkampf als Geheimmittel eingesetzt: Gerüchten zufolge stürzt sich der Republikaner McCain das Zeug gleich literweise die Kehle hinunter. Anscheinend hat er aber das Prinzip nicht ganz verstanden. Nicht man selbst wird warmherziger wahrgenommen, sondern die Menschen, denen man begegnet. Dumm gelaufen also.