Die Enttäuschung am Tag nach dem Gipfel hat viele Gesichter. Bei den einen ist sie professionell motiviert. Dazu gehört die Riege von SPD-Politikern wie Juso-Chefin Franziska Drohsel oder Eva-Maria Stange, der Vorsitzenden der sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft für Bildung. Sie hätten Angela Merkel aus politischem Konkurrenzdenken selbst dann keinen Erfolg bescheinigt, wenn er umwerfend gewesen wäre.

Ihre Wortmeldungen kann man getrost vernachlässigen. Genau wie die Begeisterungsrufe jener CDU-Ministerpräsidenten, die jetzt demonstrativ und wider besseren Wissens von einem "zukunftsweisenden Signal" (Peter Harry Carstensen) oder einem "großen Fortschritt" (Jürgen Rüttgers) sprechen.

Und dann sind da die anderen, die wirklich gehofft haben, zaghaft vielleicht, aber ehrlich. Josef Kraus zum Beispiel, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, der sagt: "Der Bildungsgipfel ist in der Geschichte eine unbedeutende Fußnote."

Oder der Präsident des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft, der sagt: "Bund und Länder haben das Ziel aufgegeben, mehr junge Leute zur Aufnahme eines Studiums zu motivieren."  Es sind ihre Stimmen, die die wahre Bilanz des Gipfels wiedergeben. Ihre Enttäuschung ist echt. Und diese hat sich Angela Merkel selbst zuzuschreiben.
 
Die Verkündung von längst Beschlossenem, ein paar lauwarme Absichtserklärungen und ein handfester Finanzierungsstreit: Der Bildungsgipfel ist gescheitert. Dass es dennoch am Tag danach nicht wirklich finster um die Zukunft der Bildung bestellt ist, hat am allerwenigsten mit Angela Merkels vermeintlicher Führungsstärke zu tun.

Denn die gute Nachricht ist: Deutschland hat in den vergangenen Jahren in der Bildung viel erreicht. Auch ohne den einen großen Ruck. Auch ohne, dass sich Bund und Länder auch nur ein einziges Mal hätten durchringen können, Deutschlands Bildungswesen so zu finanzieren, wie es seiner Bedeutung für das Wohlergehen des Landes angemessen wäre.