Hu Jia werde "im Namen der Unterdrückten in China und Tibet" ausgezeichnet, sagte Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering am Donnerstag bei der Bekanntgabe des Preisträgers in Straßburg. Die chinesische Botschaft in Brüssel hatte das Europaparlament in einem Brief vor den Folgen einer derartigen Auszeichnung gewarnt. Die Vergabe des Sacharow-Preises an Hu Jia würde den gegenseitigen Beziehungen zwischen China und der EU "ernsthaft schaden", hieß es in dem Brief. Auch aus den Reihen des Parlaments hatte es Warnungen gegeben, nicht den chinesischen Kandidaten zu wählen.

Hu ist vor allem durch seinen Einsatz für Aids-Kranke im ländlichen China bekanntgeworden. Nicht zuletzt wegen seiner Kritik an Menschenrechtsverstößen in China während einer Anhörung des Europa-Parlaments sperrte die Staatsgewalt Hu Jia vor einem Jahr ins Gefängnis.

Obwohl er praktisch unter Hausarrest stand, hatte Hu Jia am 26.November 2007 über das Internet an der Anhörung teilgenommen und eine "Menschenrechtskatastrophe" in China beklagt. Eine Million Menschen in China würden wegen ihres Einsatzes für ihre Bürgerrechte verfolgt, viele in Lager oder psychiatrische Anstalten gesteckt, kritisierte Hu damals. Hohe Staatssicherheitsbeamte seien an den Olympischen Spielen beteiligt - das sei, als wenn "die Mafia die Verantwortung für die Spiele übernimmt".

Das Risiko war Hu Jia bewusst. Er lebte schon seit Jahren unter ständiger Beobachtung in seiner Pekinger Wohnanlage, die ausgerechnet "Stadt der Freiheit" heißt. Wachposten standen vor seiner Tür, sein Telefon wurde abgehört. Unbeirrt sammelte er Informationen über das Schicksal anderer Bürgerrechtler, unterstützte HIV-Infizierte, kritisierte die Korruption und das Versagen der kommunistischen Parteikader.