Der islamistische Terrorismus hat die fließenden Konturen einer Amöbe. Namen tauchen auf und verschwinden, Terrorzellen bilden sich und werden wieder zerschlagen, Reisende in Sachen "Heiliger Krieg" spinnen ihre Fäden von Deutschland über verschlungene Wege ins Zentrum des großen Netzwerks, ins Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan.

Dort sitzt der Kern von El Kaida, von dort aus agiert auch die mit El Kaida verwobene Islamische Dschihad Union (IJU). Und die Festnahme eines zu der Gruppe gehörenden mutmaßlichen Terrorhelfers in Hessen wie auch das Rätselraten um den deutschen Konvertiten Eric Breininger belegen erneut: Von der IJU geht derzeit die größte Bedrohung für Deutschland aus.

Aufhorchen lässt bereits, dass der am Mittwoch im hessischen Langen verhaftete Türke der Bruder von Adem Yilmaz ist - einem der  Terrorverdächtigen, der zusammen mit den deutschen Konvertiten Fritz Gelowicz und Daniel Schneider den bisher wohl weitreichendsten Anschlagsplan im Bundesgebiet ausgetüftelt hatte. Der Sprengstoff, den die im September 2007 im Sauerland festgenommene Terrorzelle aus großen Mengen Wasserstoffperoxid destillieren wollte, hätte gleich für mehrere Autobomben gereicht. Auftraggeber des Trios - da sind die Behörden nach monatelanger Überwachung ziemlich sicher - war die IJU.

Der kleine Bruder des mutmaßlichen Bombenbastlers war - so der Vorwurf der Bundesanwaltschaft - selbst in Sachen Terror
unterwegs. Für die IJU soll er über Mittelsmänner in der Türkei Ausrüstung und Geld nach Pakistan transferiert haben. Keine großen Posten, aber einer jener kleinen Hilfsdienste, die das Räderwerk des Terrors in Bewegung halten.

Zudem scheinen die Yilmaz-Brüder in Langen einen Islamisten-Treff betrieben zu haben, der mindestens der ideologischen Stärkung, wahrscheinlich aber auch der konkreten Planung diente. Man traf sich in einer Gartenlaube: Dort soll Cüneyt Ciftci aus dem bayerischen Ansbach aufgetaucht sein, der Anfang März als Selbstmordattentäter in Ost-Afghanistan vier Menschen mit in den Tod riss.

Oder Hüseyin Ö., den die Bundesanwaltschaft Mitte September ebenfalls als mutmaßlichen Terrorhelfer der IJU verhaftet hat. Oder auch Sadullah Kaplan, ein junger Türke, der im Herbst 2007 als "Kämpfer" am Hindukusch bei einem Raketenangriff der Amerikaner getötet wurde. Kaplan - so meldet das Magazin Focus - soll der Mittelsmann des Yilmaz-Bruders in der Türkei gewesen sein.