Zwei Wochen vor den Wahlen wurde am Montag eine erste Bilanz über die Rolle der Medien in der heißen Phase des amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfs veröffentlicht. Die politische Berichterstattung von 48 nationalen und regionalen Medien stand im Zentrum der Studie . Das Ergebnis: Eine grundsätzliche Präferenz der Medien für Barack Obama, wie sie konservative Kommentatoren verdächtigen, sei in dieser Schärfe nicht nachweisbar.

So habe im Anschluss an die Parteitage Anfang September noch die negative Berichterstattung über Barack Obama überwogen. Zu diesem Zeitpunkt lag der Demokrat in nationalen Umfragen einige Prozentpunkte hinter John McCain. Erst mit dem Wandel der Umfragewerte im Zuge der Finanzmarktkrise und der Veröffentlichung der ersten Fernsehinterviews mit der republikanischen Vizekandidatin Sarah Palin habe sich auch die Berichterstattung über Obama zu dessen Gunsten gewandelt.

Über John McCain sei zu dieser Zeit dagegen zunehmend negativ berichtet worden. Seine Bemühungen, mit kritischen Werbespots die Aufmerksamkeit von der wirtschaftlichen Lage auf Barack Obamas Charakter umzuleiten, hätten dem Medientenor über McCain noch weiter geschadet.

Statt einer generellen politischen Präferenz zeige die Studie eine Wechselwirkung zwischen Wahlumfragen und Journalismus – und einen sich selbst verstärkenden Effekt der Berichterstattung. "Wir sehen ein sich wiederholendes Muster", schreiben die Autoren. Zunächst werde über Auftritte oder Aussagen eines Kandidaten berichtet. Im zweiten Schritt folgten dann Artikel darüber, wie sich das Berichtete in den Umfragewerten niederschlage. "Dieser Echoeffekt existiert in jeder Berichterstattung, doch im Präsidentschaftswahlkampf ist er sehr viel stärker ausgeprägt – dank der explosionsartigen Zunahme von täglichen Umfragen, von Websites, die Umfragewerte bündeln und von pausenlosen Fernsehdiskussionen über ihre Konsequenzen."

Zeitgleich pochten zwei konservative Kommentatorinnen darauf, dass die Massenmedien voreingenommen seien – und führten als Beispiel dafür die Berichterstattung über die beiden Vizekandidaten an. Sarah Palin war gestern noch durch die amerikanischen Medien gegangen, als Journalisten die in der republikanischen Wahlkampfbuchhaltung aufgeführten Bekleidungsausgaben thematisierten, die sich seit ihrer Nominierung auf rund 150000 Dollar summierten.