Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) gerät im Fall der Bonus-Affäre bei der Deutschen Bahn immer weiter unter Druck. Nach Informationen der Financial Times Deutschland soll er entgegen früheren Beteuerungen bereits seit dem 2. Oktober von den massiven Gehaltssteigerungen gewusst haben. Seit diesem Datum soll ihm ein bislang unter Verschluss gehaltener Prospekt für den geplanten Börsengang vorliegen, aus dem die Gehaltsstruktur und damit auch die Bonuszahlungen bei der Bahn hervorgehen.

Tiefensee lehnt die Sonderzahlungen ab  und hatte am Mittwoch seinen Staatssekretär Matthias von Randow entlassen, weil dieser den Boni im Bahn-Aufsichtsrat zugestimmt hatte und seinen Chef angeblich nicht darüber informiert haben soll. Ein Ministeriumssprecher hatte erklärt, Tiefensee kenne den Börsenprospekt erst seit ein bis zwei Wochen und habe ihn noch nicht gelesen. Zu den jüngsten Berichten wollte sich das Ministerium bislang noch nicht äußern.

Unterdessen berichtet die Süddeutsche Zeitung von exorbitanten Gehaltssteigerungen der Bahn-Vorstände von teilweise 20 Prozent und mehr. So soll das Gehalt von Bahnchef Hartmut Mehdorn von 750.000 auf 900.000 Euro ansteigen, seine Leistungszulage im für ihn günstigen Fall von 3 Millionen Euro in diesem Jahr auf 3,5 Millionen im nächsten. Das geht aus dem entsprechenden Prospekt hervor, das der Zeitung vorliegt.

Auch zu den Bonusvereinbarungen nannte die Zeitung Zahlen. Danach soll Mehdorn beim Börsengang eine Mindestzahlung von 140.000 Euro, Finanzchef Diethelm Sack von 120.000 Euro und die übrigen Vorstände eine von 100.000 Euro erhalten. Bestenfalls könne Mehdorn ein Sonderhonorar von 1,2 Millionen Euro erwarten, die anderen Vorstände eines von ein oder 1,2 Millionen Euro. Das gelte aber nur, wenn der Erlös des Börsenganges weit über den gut fünf Milliarden Euro liege, die zuletzt kalkuliert worden seien. Das aber gelte im Aufsichtsrat als derzeit unrealistisch. Dort hoffe man auf wenigstens 4,5 bis fünf Milliarden Euro.

Die Bahn teilte der Zeitung mit, die Vorstandsbezüge seien 2007 gesunken. "Die Vergütung liegt nach wie vor im unteren marktüblichen Bereich." Aufsichtsratskreise wurden mit dem Satz zitiert: "Bei einem Chemie-, Energie- oder Autokonzern bekommt man für dieses Geld keinen Vorstand."

Nach diesen jüngsten Enthüllungen griff die Opposition den Verkehrsminister erneut an und warf ihm mangelnde Kontrolle des Bahnkonzerns vor. Der Verkehrsexperte der FDP-Fraktion, Horst Friedrich, machte den Minister für unzureichende Rahmenbedingungen bei der Teilprivatisierung der Bahn verantwortlich. "Tiefensee soll zurücktreten", bekräftigte er. Sein Grünen-Kollege Winfried Hermann kritisierte: "Die Politik kontrolliert den Konzern nicht aktiv." So würden sich die drei Regierungsvertreter vor den Aufsichtsratssitzungen, etwa jener zu den Vorstandsprämien, nicht koordinieren.