Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat gestern Abend bestätigt, dass Bundestrainer Joachim Löw und Michael Ballack, Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, in Frankfurt zusammengetroffen sind. Der mit Genehmigung seines Premier-League-Clubs FC Chelsea in die DFB-Zentrale gekommene Ballack flog nach der Unterredung umgehend zurück nach London. Eine Stellungnahme zu der Aussprache, auf der Löw nach Ballacks kritischen Aussagen in einem Zeitungsinterview bestanden hatte, wurde für heute im Laufe des Tages angekündigt.

Die Gerüchte um möglicherweise drastische Konsequenzen köchelten danach unvermindert weiter. Boulevard-Medien hatten schon vorher über einen freiwilligen Rücktritt Ballacks vom Spielführeramt spekuliert. Der DFB wollte weder zu möglichen Maßnahmen durch Löw Stellung nehmen noch zu Spekulationen, Ballack solle seine Kapitänsbinde an den Münchner Philipp Lahm weiterreichen.

Der DFB wollte sich zu den vielfältigen Spekulationen nicht äußern. "Erst einmal muss Bundestrainer Löw das Gespräch mit Ballack führen, und danach gibt es eine Stellungnahme", hieß es aus der Medienabteilung des Verbandes. Auch Ballack selbst sowie sein Berater Michael Becker waren für ein Statement nicht zu erreichen.

Löw bekam in der Auseinandersetzung mit seinem wichtigsten Spieler Zuspruch von Teammanager Oliver Bierhoff. "Man kann Joachim Löw nicht vorwerfen, dass er anderen gegenüber keinen Respekt zeigt. Der Trainer hat die Verantwortung, er muss die Entscheidungen treffen, er muss schließlich auch den Kopf hinhalten. Alle Spieler haben dies zu akzeptieren", sagte Bierhoff dem Fachmagazin kicker. Bierhoff reihte sich damit nach der Rückkehr von seiner Hotel-Inspektionstour ins WM-Land Südafrika in die lange Liste der Löw- Unterstützer ein.

Bislang hatte sich Bierhoff, der von Juni bis September wegen des EM-Disputs selbst mit Ballack im öffentlichen Verbal-Clinch lag, nicht zu dem Konflikt geäußert. In wichtigen Situationen habe Löw "immer die richtigen Entscheidungen getroffen", sagte der Teammanager - und traut dem Chefcoach wohl auch nun eine Lösung der
verfahren wirkenden Lage zu. Inwiefern auch die einflussreiche Rolle Bierhoffs rund um die Aktivitäten der Nationalmannschaft Ballack zu seinen Äußerungen bewegte, ist unklar.