Der Physiker Metin Tolan ist James-Bond-Fan. Und hat einen Weg gefunden, Hobby und Beruf zu vereinen: Er erklärt sein Fach mit dem Geheimagenten. Seine Vorträge hält er im ganzen Land, sie sind immer ausgebucht. Im September dieses Jahres veröffentlichte Tolan, zusammen mit seinem Dortmunder Professorenkollegen Joachim Stolze, sogar ein Buch zum Thema. Geschüttelt, nicht gerührt: James Bond und die Physik ist das Ergebnis eines Seminars mit 41 Studenten, die Szenen aus Bond-Filmen formelgenau analysierten.

Fast zwanzig Szenen haben Tolan, Stolze und ihre Studenten geprüft, ob sie realistisch umsetzbar sind. Von typischen Verfolgungsjagden des Agenten, bis zur elementaren Frage, warum Bond seinen Martini lieber geschüttelt trinkt. Die Erklärungen werden doppelt angeboten, für Laien und für Physik-Asse. Das grobe Fazit des Buches: Das Gezeigte ist im wirklichen Leben möglich. Meistens jedenfalls.

"Wir haben ausgerechnet, unter welchen Bedingungen die Szenen möglich sind", sagt Tolan. Er gibt zu, dass einige Ergebnisse etwas sonderlich wirken können. Im Buch wird beispielsweise die Magnetuhr untersucht, die Bond alias Roger Moore in Leben und sterben lassen   trägt. Mit ihr angelt sich Bond metallische Gegenstände aus seiner Umgebung. Die Physiker rechneten so lange, bis diese Wunderuhr auch im wahren Leben funktionieren könnte. Einziger Nachteil: Das Gehäuse würde sich bei der nötigen Magnetkraft auf mindestens 250 Grad Celsius erhitzen. Kein Problem für einen echten Geheimagenten, schlussfolgern die Autoren.

Solche Hintertürchen lässt Tolan bewusst geöffnet: "Wer weiß schon, was der Geheimdienst alles in petto hat." Nur ein einziges Mal stieß er an die Grenze der Physik: In Stirb an einem anderen Tag kann Pierce Brosnan seinen Aston Martin auf Knopfdruck unsichtbar machen. "Die Materialien für so eine Technologie gibt es nicht. Außerdem hat Licht dafür eine zu kleine Wellenlänge."

An Stellen wie dieser müssten die Macher aufpassen, sagt Tolan. Die Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel. Ein realistischer Anspruch an James Bond müsse sein. "Die Filme leben davon, dass man sich als Zuschauer fragt, könnte es nicht vielleicht doch irgendwie gehen."

Genau das fragte sich Tolan im Jahr 1995 nach dem Kinobesuch von Golden Eye . In der Anfangssequenz springt Bond mit einem Motorrad über eine Klippe einem Flugzeug hinterher. Der Geheimagent holt die Propellermaschine im Flug ein, klettert ins Cockpit und düst davon. Zuhause rechnete Tolan nach, ob der wahnwitzige Stunt in der Realität funktionieren könnte. Sein Ergebnis: Wenn James Bond zwanzig Mal windschnittiger sei als ein fallendes Flugzeug, könne er es schaffen.