Die Industrienationen hatten sich im Rahmen der EU und G8 darauf geeinigt, 0,7 Prozent ihres Bruttonationaleinkommens für Entwicklungshilfe auszugeben. Das Versprechen hätten aber nur wenige Länder wie Dänemark und Luxemburg eingehalten, sagte Peter Mucke, Geschäftsführer von terres des hommes. Deutschlands öffentliche Entwicklungshilfe sei laut OECD zwar um 5,9 Prozent gestiegen. Jedoch zahle die Bundesrepublik nur etwas mehr als die Hälfte dessen, was sie zugesagt habe.

Das müsse sich ändern. "Dass es möglich ist, finanzielle Reserven zu mobilisieren, wenn der politische Wille vorhanden ist, zeigt die internationale Finanzkrise." Mucke fordert ein Konjunkturpaket auch für die deutsche Entwicklungshilfe. Denn "gerade Entwicklungsländer werden besonders hart von der Finanzkrise betroffen sein", ergänzt Hans-Joachim Preuß, Generalsekretär der Welthungerhilfe.

Wenn der Dollar noch schwächer notiere, würden die USA bei Rohstoffen wie Baumwolle eine starke Konkurrenz für Entwicklungsländer. Die Exportchancen dieser Staaten würden unter der sinkenden Nachfrage der Industrieländer leiden. Finanzinstitute der Industriestaaten zögen ihre Investitionen ab und erzeugten in der Dritten Welt Liquiditätsengpässe und schließlich wirtschaftliche Stagnation.

Die beiden Entwicklungshilfeorganisationen warnten, es bestehe die Gefahr, dass etwa 30 Staaten mit einer Bevölkerung von 400 Millionen Menschen kaum noch in der Lage sein werden, Importe zu finanzieren. Das seien die Länder, die ohnehin unter dem Anstieg der Nahrungsmittelpreise litten. "Es könnte gut sein, dass Arme mehr hungern, weil sich Banker verspekuliert haben", gab Preuß zu bedenken.

"Es genügt aber nicht, dass Industriestaaten mehr Geld gen Süden schicken", sagte Mucke. Entwicklungsländer müssten beim Aufbau eines "gerechten und leistungsfähigen Steuer- und Einnahmesystems" unterstützt werden. Das mache sie langfristig unabhängiger von Hilfeleistungen der reichen Nationen.

Außerdem fordern Welthungerhilfe und terres des hommes ein zwischenstaatliches Gremium zur Überwachung internationaler Kapitalströme. Durch Steuerhinterziehung und Unterschlagung verlören die Länder jährlich mindestens 500 Milliarden US-Dollar, so Mucke. Das sei das Fünffache der weltweiten Entwicklungshilfe eines Jahres.

Preuß bezweifelt, dass die für Dezember geplante Doha-Konferenz der Vereinten Nationen zur Entwicklungsfinanzierung stattfinden werde. Zu unsicher seien die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Haushalte der Geberländer. Mucke beschrieb als Aufgabe der Hilfswerke: "Wir stellen unsere Forderungen nicht nur dann, wenn sie Aussicht auf Erfolg haben."