Niemand weiß, wo es anfing. Irgendwo in einer der Höhlen oder verlassenen Minen vermutlich, wie es sie in den Naturparks im Nordosten der USA zuhauf gibt. Waren es am Anfang nur ein paar Hundert gewesen, so raffte die Krankheit im vergangenen Winter schon Zehntausende der flatternden Säugetiere dahin - und das Sterben geht weiter. Inzwischen bedroht die mutmaßliche Seuche ganze Fledermausbestände in den USA. Allein in der Hailes Cave nahe Albany im Bundesstaat New York sind von ehemals 16.000 Fledermäusen nur noch etwa 3.500 übrig. Es gibt sogar Orte, an denen gar keine Tiere mehr zu finden sind.

Höchste Zeit also der mysteriösen Todesserie auf den Grund zu gehen. Einziger Anhaltspunkt ist ein merkwürdiger Pilzbefall, der alle toten Fledermäuse zu betreffen scheint. Die Erkrankung ist mittlerweile als "Weißes Nasen Syndrom", kurz WNS, bekannt, da sie als weißer Flaum an den Schnauzen der Fledermäuse zu erkennen ist. Dem WNS ist David Blehert jetzt auf der Spur. Zusammen mit Kollegen hat er den Pilz genauer unter die Lupe genommen. In der Onlineausgabe des Wissenschaftsmagazins Science schreibt er, dass es sich dabei um eine noch nicht beschriebene Spezies zu handeln scheint. Doch ist der Pilz schuld am Tod Zehntausender Fledermäuse?

Der Mikrobiologe vom National Wildlife Health Center ist in jedem Fall alarmiert. "So einen Verlust hat es noch nicht gegeben", sagt David Blehert. "Innerhalb von zwei Jahren sind die Populationen in über 25 Höhlen zwischen 70 und 90 Prozent eingebrochen". Exakte Zahlen sind schwer zu ermitteln, da die fliegenden Säuger sich gut in den Höhlen verstecken, die sie als Überwinterungsplatz nutzen. "Manche Höhlen sind bislang sogar noch unentdeckt oder für den Menschen nicht zugänglich". Klar ist nur eins: Ein Massensterben geht um. Und der Pilz muss etwas damit zu tun haben.

Was tötet die Fledermäuse im Nordosten der USA? © ZEIT ONLINE Grafik, Jeremy Coleman USFWS

"Der Pilz bildet eine bislang unbekannte Art von Sporen aus", sagt Blehert. Diese sogenannten Konidien dienen dem Pilz, um sich zu vermehren und können möglicherweise allergische Reaktionen auslösen. Bei den Fledermäusen frisst sich der Pilz sogar durch die Haut, wie Blehert und sein Team entdeckt haben. "Er bevölkert Haarschäfte, Talg- und Schweißdrüsen der Tiere und frisst sich durch das Gewebe der Flügel", erläutert

Blehert.

Sicher ist bislang trotzdem nur, dass der Pilz das Weiße Nasen Syndrom verursacht. Die Krankheit könnte entweder schuld am Fledermaussterben sein, oder die Tiere befallen, da sie ohnehin schon geschwächt sind. Rätselhaft sei neben dem Pilzbefall nämlich auch, dass viele der toten Fledermäuse  wenig bis gar keine Fettreserven mehr haben. Diese sind wichtig, damit die Tiere in den feuchtnassen Höhlen überwintern können.