Und wieder ist es so weit. Trauben kleiner Plastik-Gespenster und Pappmaschee-Hexen ziehen durch die vorabendlichen Straßen, um Süßigkeiten von der entnervten Nachbarschaft zu erpressen. Wirkliche Gruselstimmung will jedoch bei diesem erst vor wenigen Jahren importierten Brauch nicht so recht aufkommen. Wer ein schauriges Halloween erleben möchte, sollte folgenden Orten unbedingt einen Besuch abstatten.

In Großbritannien gehört der Hausgeist im Schloss schon fast zum guten Ton. Nirgendwo sonst in der westlichen Welt gehören unheimliche Mitbewohner so zur Tradition, wie auf der britischen Insel. Die Geisterkultur beschränkt sich dabei nicht nur auf das klassische Schlossgespenst. Auch in alten Hotels und Pubs bringen vermeintliche Gespenster alte Treppen zum Knarren oder müssen als Erklärung für umherrollende Bierfässer herhalten.

Am komfortabelsten gruselt es sich natürlich im eigenen Hotelzimmer. Eines der Schmuckstücke darunter ist das Mermaid Inn in Rye. Dieses im Jahre 1420 wieder aufgebaute Hotel an der südenglischen Küste gilt als eines der "am meisten heimgesuchten" in England. Seiner langen Geschichte – angefüllt mit Schmugglern und blutigen Duellen – entsprangen etliche Geistersagen, die sich zum Teil bis zum heutigen Tag halten. So gibt dort es vier Zimmer, die wegen der mit ihnen verbundenen Geistergeschichten von mutigen Gästen besonders gern gebucht werden. Eine alte Frau und ein Dienstmädchen sollen dort regelmäßig in Geistergestalt erscheinen. Der Legende zufolge waren sie von einem Schmuggler ermordet worden, weil sie zu viel über dessen Geschäfte erzählt hatten.

Noch weit weniger gemütlich geht es auf Hermitage Castle aus dem 14. Jahrhundert zu. Das Schloss liegt etwa 50 Kilometer nördlich von Carlisle an der schottischen Grenze und gilt als eines der unheimlichsten Gemäuer Schottlands. Hier, so erzählt man sich, habe dereinst der blutdürstige Lord Soulis gewohnt und schwarze Magie betrieben. Für sein düsteres Hobby benutzte er Kinder aus der Umgebung. Die Schreie seiner Opfer sollen noch heute in der Ruine zu hören sein, und regelmäßig berichten Besucher von unheimlichen Gestalten, die durch die Dämmerung huschen. Lord Soulis fand übrigens selbst schließlich ein unschönes Ende – in einem Messingtopf.

Wer sich zwar fürchten möchte, vor dem Klima Schottlands aber zurückschreckt, findet auch jenseits des Atlantiks geeignete Reiseziele. Deutlich wärmer ist es etwa im amerikanischen Bundesstaat Louisiana, wo sich The Myrtles Plantation befindet. Das prächtige Südstaatenanwesen aus dem späten 18. Jahrhundert war den Legenden nach Schauplatz von zehn Morden und wird nun von einem knappen Dutzend Geistern heimgesucht. So ist ein stimmungsvolles Bed & Breakfast garantiert. Wer vom dortigen Geisteraufgebot gelangweilt ist, findet sicher bei einer der zahllosen Voodoo-Führungen durch die alten Stadtfriedhöfe des nahe gelegenen New Orleans frischen Nervenkitzel.