Ausgerechnet die Grünen sind in Hessen die koalitionspolitischen Streber. Die SPD demonstrierte am Samstag erneut, dass sie in Wirtschafts- und Koalitionsfragen gespalten ist , und die Linkspartei steht im Westen ohnehin unter dem Generalverdacht, chaotisch und demagogisch zu sein. Die Grünen hingegen verkörpern unaufgeregte Geschlossenheit.

Die konservative Frankfurter Allgemeine Zeitung attestiert der früheren Öko-Partei als einziger aus dem Ypsilanti-Bündnis "ökonomische Vernunft". Die hessischen Grünen selbst, die frühere Partei der Spontis und Demonstranten, feiern sich derzeit gern als die seriöseste unter den linken Parteien im Bundesland.

Deutlich wird das auf dem Landesparteitag in Frankfurt, auf dem am Ende über den Koalitionsvertrag abgestimmt werden soll. Bundesparteichef Bütikofer, der ein Grußwort hält, platzt fast vor Stolz, als er den Landesverband als "Kraft der Stabilität" bezeichnet. Hier hätten "zu Joschkas Zeiten" noch "Turnschuhträger" die Partei geführt. Heute würden die Grünen von allen anderen umworben und ernst genommen. Auch der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Kai Klose, nennt "die interne Geschlossenheit" das "größte Plus" gegenüber den politischen Wettbewerbern.

Tarek Al-Wazir, der smarte Landeschef, weiß allerdings, dass es auf die Verlässlichkeit seiner Partei in der kommenden Woche nur bedingt ankommen wird. Sollte ein Abgeordneter der SPD oder der Linkspartei ausscheren und entgegen der Abmachung gegen Ypsilanti stimmen, wären auch die Grünen erst einmal diskreditiert.

Deshalb will er sich absichern, deshalb richtet sich die zentrale Botschaft seiner Parteitagsrede "ausdrücklich" an die SPD. Genauer: an Jürgen Walter, den Vize-Parteichef, der am Vortag in Fulda angekündigt hatte, den Koalitionsvertrag inhaltlich abzulehnen, und damit einigen Wirbel erzeugt hatte.

Al-Wazir spricht im ruhigem Ton, aber mit scharfer Betonung: "Wenn der Politikwechsel an der SPD scheitern sollte, dann wird die SPD als verlässlicher Regierungspartner für lange Zeit ausfallen" . Er hoffe sehr, dass sich alle Sozialdemokraten "dieser Verantwortung bewusst" seinen. Schließlich plane man hier kein bloßes "Projekt", sondern es gehe um die Übernahme von Regierungsverantwortung. Der Name Walter fällt zwar nicht, aber alle wissen, wer gemeint ist.