Die Sache stinkt zum Himmel: In vielen Ländern der Erde verrichten die Menschen ihre Notdurft noch unter freiem Himmel. Das mag in dünn besiedelten Gebieten kein Problem sein, aber in den Metropolen der Dritten Welt, zum Beispiel in Indien, ist der Mangel an sanitären Anlagen eine Ursache für viele Erkrankungen. Deshalb haben die Vereinten Nationen die Errichtung von öffentlichen Toiletten zu einem ihrer Millennium Development Goals gemacht. Das Ziel: Bis 2015 soll die Zahl der Menschen, die keinen Zugang zu einem anständigen Klo haben, halbiert werden. In ihrem Zwischenbericht musste die UN 2006 allerdings zugeben, dass das hehre Ziel noch in weiter Ferne ist.

Eine Organisation, die sich die hygienische Planerfüllung auf die Fahnen geschrieben hat, ist die World Toilet Organization (WTO). Einmal jährlich hält sie einen Kongress ab, auf dem nicht nur hehre Ziele verkündet werden, sondern konkrete Fäkaltechnologien diskutiert und vermarktet werden. Der diesjährige Kongress findet vom 4. bis 6. November im chinesischen Macao statt. Die Entsorgung der menschlichen Ausscheidungen, so die WTO, ist nicht nur eine Aufgabe für die ohnehin überforderten Regierungen und Verwaltungen.

Richtig angefasst, kann man mit dem Geschäft auch ein Geschäft machen. Mit angepassten Technologien, die das Problem nicht nur wegspülen, sondern in intelligenter Weise die Fäkalien wieder als Rohstoffe nützen. "Unser Ziel ist es, die Gemeinschaft von 2,6 Milliarden toilettenlosen Menschen in einen vibrierenden Sanitärmarkt zu transformieren", sagt der WTO-Gründer Jack Sim.

Die Technik des Wasserklosetts, seit der Erfindung durch Alexander Cummings im Jahr 1775 die vorherrschende Entsorgungsmethode in der westlichen Welt, ist mangels Kanalisation für die meisten Entwicklungsländer ohnehin nicht geeignet. Längst gibt es wasserlose Toiletten und Urinale, die hygienischen Standards genügen und eine nachhaltige Fäkalienbehandlung ermöglichen. Der Toilettengipfel 2007 verabschiedete eine Erklärung, in der ein "Paradigmenwechsel" gefordert wurde - weg von der Entsorgungsmentalität zu Sanitärsystemen, die auf Wiederverwendung ausgerichtet sind.