Leuchtende Herbstblätter säumen den Weg zum Haus der Berliner Festspiele. Dort hat Nils Landgren sein Büro. Er ist  zum zweiten Mal künstlerischer Leiter des Berliner JazzFests. Der schwedische Posaunist, der auch Co-Leiter der NDR-Bigband ist und als Professor in Hamburg lehrt, programmierte bereits 2001 das JazzFest.

Zuletzt stand das Festival in der Kritik, sich populistisch auszurichten und vermeintlich innovativen europäischen Jazz dem angeblich konservativen amerikanischen Jazz gegenüberzustellen. Wir sprechen mit Nils Landgren darüber, wie es unter seiner Leitung weitergeht.

ZEIT ONLINE: Herr Landgren, der Intendant der Berliner Festspiele, Joachim Sartorius, wünschte sich 2001 eine jährlich wechselnde Leitung des JazzFests, um die improvisierte Musik aus verschiedenen Perspektiven betrachten und diskutieren zu können. Dieses Konzept ist gescheitert. Nicht zuletzt am Widerstand der ARD, die das Programm abbildet und finanziell daran beteiligt ist. Auch Sie haben damals starke Widerstände erfahren und sich trotzdem durchgesetzt. Jetzt haben Sie für die nächsten drei Jahre erneut zugesagt. Was ist diesmal anders?

Nils Landgren: Eigentlich alles. Damals war ich vielen unbekannt oder unerwünscht. Und ich wollte etwas Besonderes machen, etwas Neues. Auch in Verbindung mit meinem damaligen Auftrag, ein skandinavisches Festival zu machen. Ja, es gab sehr viel Widerstand. Heute kann ich sagen, es wurde damals zu wenig miteinander gesprochen.

ZEIT ONLINE: Nach den Unstimmigkeiten in den vergangenen Jahren haben alle Beteiligten jetzt auf der Pressekonferenz Einigkeit demonstriert. Wie entstand das Programm?

Landgren: Ich habe meinen ersten Entwurf hier im Haus vorgestellt, in einem Treffen mit dem ARD-Gremium. Das ist ja das einzige Festival, an dem sich alle ARD-Anstalten beteiligen. Deshalb ist es nur recht, dass sie auch Vorschläge machen können. Es ist gut, dass es einen Dialog gibt. Mir ist Konsens lieber als Streit. Auch die Leute hier im Haus können Vorschläge abgeben.

ZEIT ONLINE: Abhängig vom Budget. Das ist mit 220.000 Euro vom Bund und weiteren 180.000 Euro von der ARD und aus dem Kartenverkauf im Vergleich zu anderen deutschen Jazzfestivals recht niedrig. Die anderen Veranstaltungen der Berliner Festspiele sind deutlich höher ausgestattet. Ist der Jazz ein Stiefkind?

Landgren: Das Budget ist wirklich nicht sehr hoch. Leider mussten wir im Prinzip ohne Sponsoren auskommen. Aber dafür haben wir wirklich ein vielseitiges Programm zusammengestellt, wie ich finde.

ZEIT ONLINE: Ihr Programm macht keinen Schnitt, keinen Neuanfang, mit dem Sie sich als künstlerischer Leiter profilieren könnten. Es gibt keine besondere Fragestellung, keine Positionierung verglichen mit anderen Festivals. Warum haben Sie sich mit diesem Breitbandspektrum diesmal einfach so eingegliedert?