In Ostkongo sind Zehntausende Menschen auf der Flucht, doch die humanitären Helfer können sie nicht erreichen und versorgen. Wie das Rote Kreuz berichtete, könnten die Hilfsorganisationen wegen der derzeit angespannten Sicherheitslage nicht außerhalb Gomas arbeiten. Die Lage wird zusätzlich dadurch erschwert, dass viele internationale Helfer in den vergangenen Tagen aus Sorge um ihre Sicherheit zurückgezogen wurden.

Der kongolesische Rebellengeneral Laurent Nkunda bot unterdessen die Einrichtung eines "humanitären Korridors" zur Versorgung der Flüchtlinge an. "Wir halten uns an die von uns ausgerufene Feuerpause", sagte er in einem Telefoninterview dem US-Sender CNN. Er warte nur noch auf eine Reaktion der kongolesischen Regierung und der UN-Friedenstruppen (MONUC) auf seinen Vorschlag. Dann würden Nkundas Truppen zusammen mit den UN-Friedenstruppen den aus Goma geflüchteten Menschen ermöglichen, in ihre Häuser zurückzukehren.

Zugleich gab es aus Goma Berichte über Plünderungen und Vergewaltigungen, an denen sich auch Soldaten der Regierungstruppen beteiligt haben sollen. In der Nacht zum Donnerstag seien nach Angaben der kongolesischen Armee fünf Menschen getötet worden. Radio Okapi sprach von neun Toten und drei Vergewaltigungen. Augenzeugen zufolge sind viele Einwohner Gomas vor den vorrückenden Aufständischen über die Grenze nach Ruanda geflohen.

Nkunda hatte zwar am Mittwochabend einen einseitigen Waffenstillstand erklärt, am Donnerstag dann jedoch die Eroberung der Stadt angekündigt, falls die UN-Soldaten dort nicht für Sicherheit sorgen sollten. Bislang habe die UN-Truppe Monuc nicht verhindert, dass fliehende Regierungssoldaten die Bürger von Goma ausraubten und töteten, sagte Nkunda. "Wir haben die Monuc gebeten, die Stadt zu sichern", sagte er. Wenn ihnen dies über Nacht nicht gelinge, werde er seine Kämpfer nach Goma schicken.

Derweil befasst sich der Sicherheitsrat der Afrikanischen Union (AU) an diesem Freitag mit der Krise im Ostkongo. Zugleich intensiviert die internationale Gemeinschaft ihre Bemühungen um eine politische Lösung. Louis Micher, EU-Kommissar für humanitäre Aufgaben, zeigte sich nach Gesprächen mit dem kongolesischen Präsidenten Joseph Kabila "optimistisch". Auch die US-Spitzendiplomatin Jendayi Frazer, die im Januar bereits an den Bemühungen um einen Weg aus der Krise in Kenia mitarbeitete, reiste in den Kongo.