Vielleicht wollten sie nur allen zeigen, wie wichtig der Fußball in diesem Land genommen wird. Tagelang beherrschte der Zwist zwischen dem Trainer des Nationalteams und seinem Kapitän die Hauptnachrichten und Titelseiten. Deutschland war in Aufruhr - auch wegen der Finanzkrise, aber vielerorts vor allem wegen des Streits dieser beiden Fußballer.

Man könnte nun mit den Achseln zucken, den Kopf schütteln und behaupten: Das war bloß viel Lärm um nichts. Augenscheinlich bleibt nach der Aussprache zwischen Löw und Ballack alles beim Alten. Tatsächlich hat sich einiges verändert im Machtzentrum Fußballnationalmannschaft. Beide Protagonisten haben durch die öffentliche Fehde Schaden genommen; der Unterlegene ist Joachim Löw.

Der Bundestrainer hat es ohne Konsequenzen hingenommen, dass ihn ein Spieler in der Presse als Dummkopf darstellte. Inhaltlich warf Ballack Löw vor, er treffe seine Personalentscheidungen (Frings, Wörns, Kahn, Kuranyi) respektlos und unehrlich. Er beanstandete, dass Löw an einer Verjüngung und Verbesserung des Teams arbeitete; jungen Spielern (Rolfes und Hitzlsperger) unterstellte der Kapitän, sie könnten die großen WM-Erwartungen nicht erfüllen.

Ballack kritisierte seinen Trainer via Zeitungsinterview, als wolle er seinen Rausschmiss provozieren. Löw reagierte mit einer Trägheit, die an das Krisenmanagement Rudolf Scharpings erinnert. Auf die Aufforderung, Ballack möge nach Deutschland zur Aussprache erscheinen, antwortete Ballack mit verstecktem Hohn. Sein Vereinstrainer Luiz Felipe Scolari verspottete Löw, als sei dieser eine Witzfigur. Am Ende nun, nachdem sich Ballack – an einem Termin, der ihm genehm erschien – etwas Zeit für seinen Trainer genommen hatte, kutschierte der DFB ihn mit dem Wagen zum Flughafen. Ob Löw gewunken hat, bevor Ballack wieder im Flugzeug Richtung London verschwand, weiß man nicht.

Um seine Autorität zu wahren, hätte Joachim Löw den in der Vergangenheit zweifelsfrei besten deutschen Spieler nicht suspendieren müssen, aber er hätte Ballack eine inhaltliche Richtigstellung seiner Kritik abverlangen können. Er hätte ihm etwa für die nächsten fünf Spiele eine Regenerations- und Denkpause verordnen können. Er hätte ankündigen können, vor der WM den Kapitän neu bestimmen zu wollen. Löw hätte viele Register ziehen können, um das Machtungleichgewicht in der Mannschaft zu verhindern.