Vor Barack Obama liegt eine schwere Aufgabe, und er wird all den mitreißenden Schwung, all die unbeirrbare Entschlossenheit und all die optimistisch gestimmte Ernsthaftigkeit brauchen, die er in dem verzehrenden zweijährigen Wahlkampf an den Tag gelegt hat, sie zu meistern. Er hat gezeigt, dass er das amerikanische Volk inspirieren kann. Nun wird er aus vagen Versprechen handfeste politische Erfolge schmieden müssen.

Der erste Schwarze, der ins Weiße Haus einziehen wird, tritt ein schweres Erbe an. George W. Bush war der unseligste, ja: unfähigste Präsident der neueren amerikanischen Geschichte. Von 109 jüngst befragten US-Historikern erklärten 107 seine Präsidentschaft für gescheitert. Wohl rückte er in seiner zweiten Amtszeit ein Stück weit von der ideologischen Verbohrtheit, dem hochmütigen Unilateralismus und der rücksichts- und bedenkenlosen Kriegspolitik der ersten vier Jahre ab. Dennoch lässt sich seine Hinterlassenschaft innenpolitisch, außenpolitisch und wirtschaftspolitisch nur als katastrophal bewerten.

In Bushs an den Haaren herbeigezogenem, desaströsem Irakkrieg haben die Vereinigten Staaten ihre Glaubwürdigkeit, ihr Ansehen und ihre weltpolitische Gestaltungskraft verloren. Guantánamo, die unsäglichen extraordinary renditions (die Überstellung von Terrorverdächtigen an torturfrohe Staaten), die Lockerung des Folterverbots, die Verbiegung des Kriegsrechts und die Missachtung der Genfer Konventionen – all dies hat Amerikas moralischen Überlegenheitsanspruch unterminiert. Zu allem Überfluss trieb dann eine auf Pump und Schuldenmacherei gebaute Finanzpolitik die USA und darüber hinaus die ganze Welt in die schwerste Wirtschaftskrise seit der Großen Depression der frühen 1930er Jahre.

Riesige Aufgaben warten im Inneren auf Barack Obama. Amerika braucht einen neuen New Deal, der die Kluft zwischen den begünstigten Reichen und der benachteiligten, in den Niedergang getriebenen Mittelklasse wieder schließt. Das Gesundheitssystem und das Bildungssystem sind reformbedürftig. Immigration, Klimawandel, Energieversorgung, vor allem jedoch die Überwindung der Wirtschaftskrise sind weitere Themen, deren sich der neue Mann im Weißen Haus vordringlich annehmen muss. Dabei wird er rasch entdecken, dass Bushs Hinterlassenschaft – zumal eine Neuverschuldung von sage und schreibe 1 Billion (1000 Milliarden!) Dollar – das Menü seiner Optionen stark einengt.

Nicht minder schwierige Probleme erwarten den Präsidenten Obama auf dem Feld der Weltpolitik. Er muss den Abzug aus dem Irak bewerkstelligen. Er wird Entscheidungen über Afghanistan und Pakistan zu treffen haben, die nicht bloß auf eine militärische Verstärkung hinauslaufen – dies würde mit Sicherheit nur in eine weitere Sackgasse à la Irak führen. Er wird seinem Berliner Versprechen einer "neuen und globalen Partnerschaft" mit Europa klare Umrisse und Inhalte geben und für die ihres Auftrags unsicher gewordene Nato bis zur Sechzigjahrfeier der Atlantischen Allianz im nächsten Frühjahr eine neue Zweckbestimmung definieren müssen.