Die Teersandfelder der kanadischen Provinz Alberta sind die zweitgrößten Ölvorkommen der Welt, nach jenen Saudi-Arabiens. Sie erstrecken sich über 140.000 Quadratkilometer – der Freistaat Bayern ist nur halb so groß. Das riesige Areal gehört einem 1899 abgeschlossenen Vertrag zufolge 23 Urnationen, den "First Nations".

Es besteht fast ausschließlich aus Moor, Birken- und Kiefernwäldern. Doch die seit 13.000 Jahren in diesen Wäldern lebenden Cree und Chipewyan fanden hier früher offenbar alles, was sie zum Leben brauchten. Nach der europäischen Kolonisierung wurden sie in Siedlungen sesshaft. Der Ölboom hat ihre Lage ein zweites Mal grundlegend verändert. Für die einen brachte das schwarze Gold Wohlstand und Modernität. Für die anderen entpuppte es sich als Desaster.

Fort McKay ist durch das Öl wohlhabend geworden. Die von 1000 Ureinwohnern bevölkerte Gemeinde liegt mitten in den Teersandfeldern am Ufer des Athabasca, eines aus den Rocky Mountains fließenden Stroms, dem die Energiekonglomerate das Wasser für die Aufbereitung der ölhaltigen Erde entnehmen. An manchen Stellen rinnt der asphaltartige Rohstoff ganz von selbst aus den Uferbänken. Die Indianer benutzten ihn früher zum Abdichten ihrer Kanus.

In Fort McKay hat seit den achtziger Jahren ein pragmatischer Häuptling das Sagen, der von Anfang an dafür eintrat, sich mit den Ölfirmen zu arrangieren und das Beste für seine Mitbewohner aus ihnen herauszuholen. Jim Boucher baute die Fort McKay Group of Companies auf. Ihre sechs Subunternehmen betätigen sich heute als Dienstleistungsanbieter und Zulieferer der Ölindustrie. Eine Schwerlastwagenspedition gehört dazu, eine Immobilienmaklerei und Umweltdienste. Die Firmengruppe gehört zu 100 Prozent der Gemeinde und setzt über 100 Millionen Dollar im Jahr um.

Boucher sitzt dem Aufsichtsrat vor. Als er die Initiative ergriff, hatte die Ausbeutung der Teersandfelder gerade erst begonnen. 1998 realisierte er, dass die Industrie zu einer aggressiven Wachstumsbranche wurde. Er rief die Fort McKay Industry Relations Corporation ins Leben, die bislang 13 Abkommen mit den Ölfirmen schloss, welche der Gemeinde soziale und ökonomische Teilhabe an der rapiden Industrialisierung zusichert. Sieben Verträge legen spezifische Kriterien für eine Wiederherstellung von Fauna und Wildtierbestand fest, sobald eine Teersandmine ausgeschöpft ist.

2003 handelte Boucher obendrein eine 40 Millionen Dollar hohe Entschädigung für Landverluste aus. Das Geld wurde in einen Treuhandfonds investiert, aus dem alle Einwohner von Fort McKay eine jährliche Rendite ausbezahlt bekommen.