"Die Experten und Kommentatoren zerstückeln unser Land gerne in rote Staaten und blaue Staaten, rote Staaten für die Republikaner, blaue für die Demokraten", beschwerte sich Barack Obama in seiner Rede auf dem Demokraten-Parteitag 2004 ,  die den jungen Politiker ins nationale Scheinwerferlicht rückte. "Doch wir sind ein Volk." Es gäbe nicht rote und blaue Staaten, sondern nur die Vereinigten Staaten, wiederholte Obama auch dieses Jahr im Wahlkampf – und dieses Jahr stimmen ihm die Wahlexperten zu.

Wenn man den jüngsten Umfragen-Auswertungen auf den Internetseiten der New York Times , von RealClearPolitics oder Talking Points Memo glaubt, dann ist der Graben, der quer durch Amerika zwischen Demokraten- und Republikaner-Staaten verläuft, nicht ganz so tief, wie angenommen. In einem halben Dutzend "Bush-Staaten", also solchen, die in den letzten zwei Präsidentschaftswahlen an die Republikaner fielen, ist aktuell noch offen, wie die Wahl in diesem Jahr ausgeht. Und Colorado und Virginia scheinen derzeit zu Obama-Staaten werden.

Parallel werfen sich Kommentatoren beider Seiten psychologische Kriegsführung mit Umfragen und Wahlprognosen vor. Der Republikaner Dan Perrin schreibt auf der Internetseite RedState.com gar von "Wählerunterdrückung" – und meint damit die Medien, die der Obama-Manie verfallen seien und nun mit ihren Trends und Zahlen versuchen würden, Republikaner vor der Wahl einzuschüchtern. Weniger drastisch formuliert erhebt auch der Obama-Sympathisant Andrew Sullivan diesen Vorwurf in seinem Blog .

So hatte der Nachrichtensender Fox News gestern eine neue Umfrage veröffentlicht,  die in der konservativen Blogosphäre wohlwollend rezipiert worden war – sie zeigte ein Schrumpfen des Vorsprungs, den Obama in bundesweiten Trend-Umfragen vor John McCain hält. "Fox führt uns in die Irre", schreibt Sullivan nach einem Blick ins Kleingedruckte, der ergab, dass sich seit der letzten Vergleichsumfrage nicht nur das Ergebnis, sondern auch die Zusammensetzung der Befragten verändert hat: Für die neue Umfrage waren weniger Demokraten und mehr Republikaner befragt worden.