Obama erringt historischen Sieg – Seite 1

Die Bürger der USA haben zum ersten Mal in der Geschichte einen Afroamerikaner in das Amt des Präsidenten gewählt. Nach jüngsten Hochrechnungen vereint der Kandidat der Demokraten, Barack Obama, 349 Wahlmännerstimmen auf sich, 270 sind nötig für eine Mehrheit. Obama gewann auch die Abstimmung im Bundesstaat Virginia, wo seit 1964 kein Kandidat der Demokraten das Rennen machen konnte.

Im Grant Park in Chicago feierten hunderttausende Menschen mit "Yes, we can"-Rufen den Sieg Obamas. Um kurz vor elf Uhr amerikanischer Zeit trat Obama vor seine Anhänger. "Der Wandel ist nach Amerika gekommen", rief er in die Menge. "Die Straße vor uns ist lang. Unser Aufstieg wird steil. Wir werden dort nicht in einem Jahr hinkommen oder in einer Wahlperiode. Aber ich war nie hoffnungsvoller als heute Abend, dass wir dort hinkommen werden, ich verspreche es euch - wir, die Menschen, werden da hinkommen", sagte er in seiner viertelstündigen Rede.

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Der Kandidat der Republikaner, John McCain, hatte seinem Konkurrenten zuvor zum Wahlsieg gratuliert. "Senator Obama hat Großes erreicht, für sich und sein Land", sagte McCain vor Anhängern. "Ich verspreche ihm heute Abend, dass ich alles tun werde was in meiner Macht steht, um ihm zu helfen, uns durch die großen Herausforderungen zu führen, die uns erwarten".  Der scheidende US-Präsident George W. Bush rief seinen Nachfolger an, um ihm zu gratulieren.

Obama gewann wichtige Stimmen in Bundesstaaten, die zu den besonders hart umkämpften zählen. Hierzu zählen Pennsylvania, Virginia und New Hampshire. Der Senator aus Illiois war auch in seinem Heimatstaat erfolgreich, vor allem aber im traditionell liberalen Nordosten des Landes. Außerdem siegte er in Kalifornien, Florida, Oregon und Hawaii. Von enormer Bedeutung war der Gewinn der Stimmen in Ohio und Iowa, wo vor vier Jahren noch der Republikaner George W. Bush noch vorne lag. Noch nie hat ein Republikaner die Präsidentschaftswahl für sich entscheiden können, ohne in Ohio zu gewinnen.

Obamas republikanischer Rivale John McCain hat die traditionell eher konservativen Bundesstaaten Texas, Utah, Kentucky, Tennessee, West Virginia, South Carolina und Oklahoma sowie Wyoming, North Dakota und Mississippi für sich entschieden. Auch in Kansas und Louisiana, Arkansas und Alabama sowie in Georgia konnte er anscheinend alle Wahlmänner-Stimmen auf sich vereinigen. Aktuell hat er 162 Wahlmännerstimmen.

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In weiteren Landesteilen stehen die Ergebnisse noch aus. Dazu gehören auch in der Vergangenheit eher republikanisch geprägte Staaten wie Nebraska und Montana. Bisher kann auch aus den bis zuletzt umkämpften Staaten wie North Carolina und Missouri kein eindeutiger Gewinner vermeldet werden.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso gratulierte Obama zu seinem Sieg. "Im Namen der Europäischen Kommission und in meinemeigenen Namen möchte ich Senator Obama zur Wahl zum 44. US-Präsidenten gratulieren", hieß es in einer Mitteilung. Es sei Zeit für Europa und die Vereinigten Staaten, wieder enger zusammenzurücken. Die derzeitige Krise sei auch eine Chance für eine neue Welt zum Wohl der Gesellschaft. Obamas einstige Kontrahentin auf dem Weg zur Präsidentschaft, die demokratische Senatorin Hillary Clinton, bezeichnete das Wahlergebnis als "historischen Sieg für die Menschen in Amerika".

Barack Obama kann während seiner kommenden Amtszeit auf einen stark mit Demokraten besetzten Senat bauen. Die Demokraten gewannen nach Angaben des US-Fernsehsenders CBS News vier zusätzliche Senatssitze in Virginia, North Carolina und New Hampshire. Im Repräsentantenhaus erhielten sie zunächst sechs zusätzliche Mandate. Laut CNN haben die Demokraten 56 Senatorensitze, die Republikaner 40. Zur Mehrheit genügen 51 Sitze.

Die Behörden sprachen von einer enorm hohe Wahlbeteiligung. Allein in Virginia soll diese bei 75 Prozent liegen, landesweit wird eine Rekordbeteiligung von bis zu 130 Millionen Wählern erwartet. Bereits um 4 Uhr Ortszeit warteten erste Wähler im Bundesstaat Virginia zwei Stunden vor Öffnung der Wahllokale vor deren Türen, um eine Chance zu haben, die Stimme vor der Arbeit abzugeben. Und auch kurz nach Beginn der Abstimmung im Osten des Landes bildeten sich lange Schlangen, darunter auch in den hart umkämpften Bundesstaaten Pennsylvania, Ohio und Virginia.

In den USA wird der Präsident nicht direkt, sondern durch ein Wahlmännergremium gewählt, das sich aus Vertretern der einzelnen Bundesstaaten zusammensetzt. Diese stimmen traditionell entsprechend dem Ergebnis in ihren Staaten. Der Gewinner eines Bundesstaates erhält jeweils alle zu vergebenden Wahlmännerstimmen. Die Wahlmänner stimmen am 15. Dezember ab, der neue Präsident wird schließlich am 20. Januar ins Amt eingeführt.