Die Szene hatte etwas Komisches, trotzdem lachte niemand, schon gar nicht Manny Legace. Er wollte seiner Arbeit nachgehen. Legace ist Eishockey-Torhüter in der Nordamerikanischen Eishockeyliga NHL und betrat die Eisfläche wie in seinen 314 Spielen zuvor. Doch diesmal fiel er schon bei seinem ersten Schritt aufs Eis. Sarah Palin, die Vizekandidatin der Republikaner, hatte sich medienwirksam am Mittelkreis aufgestellt, um die Partie zwischen St. Louis und Los Angeles zu eröffnen. Der eigens für Palin ausgerollte Teppich wurde Legacy zum Verhängnis.

Der Sport und seine Fans sind dieser Tage eine beliebte Plattform im Präsidentschafts-Wahlkampf. Palin, die sich als "Hockey Mom" bezeichnet, versucht den Spagat zwischen Puck und Politik, John McCain besucht die Baseballstadien und Barack Obama trainiert mit einem Universitätsteam Basketball in North Carolina. "Es hat gezeigt, dass Kandidaten mit Sportinteresse für die Wähler besser zuzuordnen sind", sagt John Sayle Watterson, Autor des Buches "Sport und die amerikanischen Präsidenten".

Andererseits wagen sich auch immer mehr Athleten auf’s politische Plateau. Mehr denn je sind Sportler in die Kampagnen der Kandidaten eingebunden – als Fürsprecher oder Finanzierer. Peter Dreier, Politik-Professor am Occidental College in Los Angeles sagt: "Dieser Wahlkampf verläuft anders. Athleten sagen offen, für wen sie sind, sie spenden Geld. Ich denke, das hat alles mit Barack Obama zu tun."

In den vergangenen Jahren floss das meiste Geld vor allem in die republikanischen Säckel, denn deren Politik garantierte geringe Steuern für Besserverdienende. Und zu denen gehören die Profis aus den Football-, Basketball-, Baseball- und Eishockeyligen. Mit mehr als 350.000 Dollar unterstützten sie vor vier Jahren George W. Bush. Herausforderer John Kerry bekam lediglich 43.000 Dollar. Diesmal hingegen sind die Finanzströme nahezu ausgeglichen – was vor allem an den afroamerikanischen Athleten liegt. Bis zu 2300 Dollar dürfen Privatpersonen spenden, auf Umwegen ist auch mehr möglich. So überwies Basketball-Star LeBron James 20.000 Dollar an einen demokratischen Fonds.

James ist nur ein namhafter Förderer Obamas. Besonders Basketballer setzen sich für den Senator ein. Er war in seiner Jugend schließlich ein erfolgreicher Korbjäger. Zudem gilt Basketball in den USA als "der schwarze Sport". In der Profiliga NBA sind 76 Prozent aller Spieler Afroamerikaner.

So wie Jason Terry. "Ich bin ein Obama-Anhänger und hoffe, dass er Präsident wird", sagt der Basketballer. Er ist Mitspieler von Dirk Nowitzki bei den Dallas Mavericks und sitzt in der Kabine rechts neben dem Deutschen. Politische Diskussionen gibt es dennoch kaum. Die Wahl sei schon wichtig für das Land und er bekomme auch viel vom Wahlkampf mit, so Nowitzki. Dennoch sei es ihm persönlich egal, wer Präsident werde.

Trotzdem dürfte es Nowitzki freuen, dass Obama für den Fall des Wahlsieges angekündigt hat, einen Basketball-Korb auf dem Gelände des Weißen Hauses aufzustellen. Er wäre damit nicht das erste sportliche Staatsoberhaupt. Dwight Eisenhower führte 1956 nach einem vernichtenden Zeitungsartikel über die abnehmende sportliche Verfassung der US-Bürger ein Jugend-Fitness-Programm ein, das noch heute an amerikanischen Grundschulen durchgeführt wird. Richard Nixon ergänzte während seiner Amtszeit das Inventar des Weißen Hauses um eine Bowlingbahn. Ronald Reagan spielte mit Freunden im Garten Football und George W. Bush machte Baseball dort salonfähig.