Eine kleine Flagge in knalligem Rot bringt auf den Punkt, was viele Künstler gedacht haben mögen, als sie vom Hamburger Kunstverein zur kostenlosen Bereitstellung zweier DIN-A-4-Arbeiten aufgefordert wurden.

"Ich bin doch nicht blöd. Öffentlich weinen, privat zürnen!" ist auf der Flagge zu lesen. Der Künstler Simon Starke hat sie entworfen, aus der Plastiktüte eines Elektronikdiscounters.

Mitgemacht haben Starke und viele seiner Kollegen trotzdem. Deshalb hängt seine Flagge jetzt in Reih und Glied neben rund 300 weiteren DIN-A-4-Arbeiten.

Zu sehen ist das Ganze im Kunstverein, der in diesen Tagen gemeinsam mit dem Theater Kampnagel Einblicke in die Kulturszene der Hansestadt geben möchte. Berlin ist weit weg. Wir nennen es Hamburg ist nicht ohne Grund der Titel des Festivals. Beteiligt haben sich neben bildenden Künstlern, Musiker, Regisseure, Choreografen und Schauspieler.

Eine DIN-A-4-Arbeit jedes beteiligten Künstlers ist als Teil eines großen Frieses im Rahmen der Ausstellung zu sehen. Die zweite kann für 60 Euro zusammen mit dem Katalog in einer verschlossenen Box erworben werden.

Die Künstler verdienen daran nichts. Deshalb fühlen sich viele wie die heimlichen Sponsoren des als besonders künstlerfreundlich proklamierten Prestigeprojekts.
60 Euro für ein Original-Kunstwerk? Lassen sich so die Mechanismen des Kunstmarkts aushebeln?