Heutzutage ist die Erwerbstätigkeit von Frauen Normalität. Ein Einkommen genügt meist nicht, um eine Familie zu ernähren. Wenn beide Elternteile arbeiten müssen, ist es um so wichtiger, dass die Kinderbetreuung funktioniert. Um das zu überprüfen, hat der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in seinem Kita-Check 6700 Kindertagesstätten befragt. Das Ergebnis: Ein flexibleres Betreuungsangebot ist dringend notwendig.

So haben 96 Prozent der Kitas nach 18 Uhr nicht mehr geöffnet und 99 Prozent sind am Samstag geschlossen. Außerdem macht mehr als jede vierte Kita in den Ferien zu, ohne eine gesicherte Alternativbetreuung anzubieten. "Es geht uns nicht darum, dass Kinder länger betreut werden sollen. Allerdings müssen die Spielräume für die Eltern vergrößert werden", sagte Achim Dercks, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des DIHK. Ein weiteres Manko: Nur ein knappes Drittel der Kitas böte individuelle Betreuungszeiten an.

Die neuen Bundesländer schneiden laut Studie besser ab: Im Osten gebe es mehr Kita-Plätze für die Ein- bis Dreijährigen, die Öffnungszeiten seien insgesamt flexibler gestaltet. Außerdem "sind die Kitas kreativer im Werben von Sponsoren", sagte Dercks.

Erfreulich sei immerhin, dass bundesweit gut drei Viertel der Kitas Kinder aus anderen Kommunen aufnähmen. Dies sei sehr wichtig für Eltern, deren Arbeitsplatz nicht in der Wohnortgemeinde liege. Ein Fortschritt sei auch in der Sprachförderung der Kinder mit Migrationshintergrund zu verzeichnen. Das sei inzwischen in 58 Prozent der Kitas obligatorisch.

Insgesamt seien Betriebskitas und privat-gewerbliche Tagesstätten im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie viel besser aufgestellt, so Dercks. Sie hätten längere Öffnungszeiten am Abend und an Wochenenden und seien auch flexibler im Betreuungsangebot. Das sei nicht verwunderlich, da diese Einrichtungen sowohl die Bedürfnisse der Eltern kennen als auch die der Unternehmen.

Der Präsident der DIHK, Ludwig Georg Braun, forderte andere Träger und Kitas auf, sich an diesem Vorbild zu orientieren. "In Betriebskindergärten lösen sich Abholprobleme automatisch. Man nimmt das Kind nach der Arbeit einfach mit", sagte Braun. Familienfreundliche Personalpolitik werde in den nächsten Jahren immer wichtiger, um gut ausgebildete junge Fachkräfte zu werben.

Der DIHK will bundesweit ein sogenanntes Gutscheinsystem einführen, das bereits in Berlin und Hamburg üblich ist. Eltern dürften dann einen Betreuungsgutschein bei einer Einrichtung ihrer Wahl abgeben und diese Kita erhielte dementsprechend Fördergelder. "Die Eltern hätten so einen unmittelbaren Einfluss auf die Gestaltung und die Qualität des Angebotes", sagte Braun. So würden sich flexible Kitas durchsetzen, die die Kinder "qualifiziert und mit Liebe betreuen und nicht einfach nur aufbewahren."