Ab 15 Uhr wird es am Dienstag in der Stadthalle Sindelfingen hoch hergehen. Auf dem einen Flur haben die Gewerkschafter ihre Büros bezogen, auf dem anderen die Arbeitgeber, um die Vorschläge der Gegenseite durchzurechnen, sich Verhandlungsstrategien zu überlegen. Beide Gänge enden an dem gemeinsamen Verhandlungsraum – allein physisch sind sich die beiden Tarifparteien in dieser Verhandlungsrunde recht nah.

Das gilt allerdings nicht für die Angebote, die auf dem Tisch liegen. Die IG Metall fordert acht Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie. Die Arbeitgeber bieten 2,1 Prozent plus Einmalzahlungen von 0,8 Prozent für November und Dezember.

Noch nie klafften die Vorstellungen der Tarifparteien so weit auseinander. Doch eine Einigung ist nicht völlig abwegig. Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser deutete heute im Handelsblatt die Bereitschaft der Arbeitgeber zu Zugeständnissen an. "Wir werden uns nach Kräften bemühen, am Dienstag zu einer Einigung zu kommen", sagte er, "Beide Seiten, die IG Metall genauso wie wir, werden sich jetzt aufeinander zu bewegen." 

Auch IG-Metall-Chef Berthold Huber hatte am Wochenende ein Entgegenkommen der Gewerkschaft bei der Laufzeit des Tarifvertrags signalisiert. Wenn die Lohnzahl stimme, habe die IG Metall kein Problem damit, über 18 oder gar 20 Monate abzuschließen, so Huber in der Wirtschaftswoche . 

Das kam wiederum gut an bei den Arbeitgebern: Kannegiesser bewertete den Vorschlag Hubers positiv: "Das ist in jedem Fall ein konstruktives Signal." Die Arbeitgeber fordern angesichts von Auftragseinbrüchen in Teilen der deutschen Metall- und Elektroindustrie allerdings einen flexiblen Abschluss. Es müsse eine Lösung geben, die auch Betriebe mit Schwierigkeiten verkraften könnten, sagte der Chef des Metallverbands in Nordrhein-Westfalen, Horst-Werner Maier-Hunke, der Financial Times Deutschland. 

Die Tarifpartner stehen unter hohem öffentlichen Druck: Angesichts der Wirtschaftskrise will keiner den schwarzen Peter zugeschoben bekommen, die kriselnden Betriebe mit Arbeitskämpfen noch stärker in Bedrängnis gebracht zu haben. Allein die Tatsache, dass Gewerkschaftschef Huber und Gesamtmetaller Kannegießer wohl vor Ort sein werden, lässt deuten: Offensichtlich können auch sie sich bereits eine Einigung vorstellen. Schneller wird es deswegen aber nicht gehen: Zähes Ringen bis spät in die Nacht ist bei der Lohnforderung von acht Prozent äußerst wahrscheinlich.