Nach dem umstrittenen Atommüll-Transport hat Niedersachsen von der Bundesregierung ein Endlagerkonzept gefordert. Es reiche nicht, lediglich gebetsmühlenartig eine alternative Standortsuche zu fordern, ohne selbst einen Vorschlag zu machen, in welche Richtung es gehen könnte, sagte Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP). Sander warf der großen Koalition in Berlin vor, in der Frage der atomaren Endlagerung auch keinen Schritt weitergekommen zu sein als vorher die rot-grüne Bundesregierung.

"Wir als Land Niedersachsen können es uns nicht leisten, jedes Jahr an die 20 Millionen Euro für einen solchen Transport auszugeben", sagte Sander. Die Bundesregierung müsse noch vor der Bundestagswahl einen neuen Anlauf nehmen, um die Entsorgungsproblematik irgendwie zur Entscheidung zu bringen.

In der Nacht hatten die elf Atommüll-Behälter aus der französischen Aufbereitungsanlage La Hague das Zwischenlager Gorleben im niedersächsischen Wendland erreicht. Begleitet von heftigen Protesten trafen die mit den Containern beladenen LKWs gegen 0:19 Uhr in dem Salzstock ein. Die letzte, rund 20 Kilometer lange Etappe vom Verladebahnhof Dannenberg bis Gorleben verlief Polizeiangaben zufolge ohne größere Zwischenfälle. Zwar habe in der Nähe der Ortschaft Laase eine Gruppe von Demonstranten versucht, erneut auf die zuvor geräumte Strecke zu gelangen. Dies hätte die Polizei jedoch verhindern können.

Zuvor hatten die Einsatzkräfte mehrere Hundert Demonstranten weggetragen, die mit Sitzblockaden und anderen Protestaktionen den Transport behinderten. In Grippel hatten sich acht Protestierer an Betonpyramiden festgebunden. Die Polizei benötigte rund elf Stunden, bis sie am späten Montagabend die Atomkraftgegner frei bekommen hatte. Bei anschließenden Störversuchen von Demonstranten setzte die Polizei Wasserwerfer ein. Vor dem Zwischenlager selbst hatten rund 1000 Demonstranten die Zufahrt blockiert. Sie hatten dort teilweise seit Samstag campiert. Die Polizei trug die Protestierer am späten Nachmittag einzeln von der Straße.