Wenn am Donnerstag im Kanzleramt der dritte Integrationsgipfel beendet sein wird, werden sie wieder gemeinsam in die Kameras lächeln: Kanzlerin Angela Merkel, eine größere Anzahl mehr oder weniger ausländisch aussehender Herren und Damen und dazwischen eine blonde Frau Ende 50 mit randloser Brille. In den vergangenen Jahren hat man sie häufig auf solchen und ähnlichen Bildern gesehen – es handelt sich um Maria Böhmer, Staatsministerin für Integration.

Als sie 2005 ihr Amt antrat, war ihre Berufung in mehrfacher Hinsicht ein Novum. Nicht nur, dass die CDU erstmals den Anspruch auf eine Funktion reklamierte, die bisher nur von Politikerinnen der FDP, SPD oder den Grünen ausgeübt wurde. Die Position wurde gleich auch noch deutlich aufgewertet. Die Stelle einer schlichten Beauftragten im Innenministerium wurde ersetzt durch einen Ministerposten im Herzen der Macht, dem Kanzleramt.

Überraschend kam damals auch die Besetzung der Stelle. Nicht in der Integrationspolitik, sondern in der Frauenpolitik hatte sich Professorin für Erziehungswissenschaften bis dahin einen Namen gemacht. Seit 2001 ist sie Vorsitzende der Frauen Union.

Drei Jahre nach ihrem Amtsantritt kann die einst Fachfremde durchaus auf Erfolge verweisen. Aus dem Gipfelprozess, den sie organisiert hat, ist ein nationaler Integrationsplan hervorgegangen, dessen Zwischenbilanz an diesem Donnerstag vorgelegt wird. "Wir reden nicht mehr über die Migranten, sondern mit ihnen", lautete von Beginn an das Motto.

Hört man sich jedoch unter denen um, die die Staatsministerin eigentlich integrieren soll, so stößt man auf ein sehr geteiltes Echo. Das hat nicht zuletzt damit zu tun, wie sie selbst ihr Amt versteht. Die "Mutti aller Türken", wie einst die FDP-Politikerin Liselotte Funcke genannt wurde, hat sie wohl nie sein wollen. Doch auch die rationalere Rolle einer Ombudsfrau – so verstand sich ihre grüne Vorgängerin Marieluise Beck – scheint sie sich nicht zu eigen machen zu wollen.

Vielmehr hat Böhmer nie einen Zweifel daran gelassen, dass Integrationspolitik für sie aus "Fordern und Fördern" besteht. Dass nachziehende Ehefrauen vor der Einreise Deutschkenntnisse nachweisen müssen, hat sie deswegen genauso entschieden verteidigt wie die Einführung von Einbürgerungstests. Vor allem von türkischen Medien ist sie dafür in einer Art und Weise angegriffen worden, die den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit weit hinter sich ließ. Für säkulare Muslime wie die Sozialwissenschaftlerin Necla Kelek, die sich besonders für die Rechte von Migranten-Frauen einsetzt, ist sie so fast zu einer Heldin geworden.