Die Ergebnisse sprechen für Hamburgs Trainer Martin Jol, der Stil immer weniger. Das 2:1 gegen Dortmund habe ausgesehen, als wäre Huub Stevens dafür verantwortlich gewesen, schreibt Rainer Schäfer (Berliner Zeitung): "Der HSV gewinnt zwar und hält sich in der Spitzengruppe, aber zu seinem Stil hat er noch nicht gefunden. Er spielt nicht so, wie sein Trainer es will – und gewinnt trotzdem. Der HSV bleibt ein kurioses Feldexperiment. (…) Martin Jol nähert sich dem System seines Vorgängers."

Was Jol damit meint, dass er von seiner "jungen" Mannschaft spricht, obwohl er kaum junge Spieler eingesetzt hat, übersetzt Frank Heike (FAZ): "Jol will sagen, dass er beim HSV ganz viel Arbeit hat, um aus den Defensivkünstlern der Stevens-Ära eine mutig nach vorn spielende Mannschaft zu machen. Mag das Team also kaum jung an Jahren sein, so ist es doch unerfahren, was mutigen Vorwärtsfußball betrifft."

Was für Hamburg und Jol gilt, trifft auch auf München und Klinsmann zu: gewinnen, aber entgegen den Verkündungen mit verteidigenden Mitteln. Daniel Theweleit (Berliner Zeitung) legt nach dem 2:1 der Bayern in Schalke die Parallele frei: "Eigentlich steht der Name Jürgen Klinsmann für eine bestimmte Art von Fußball. Für Dominanz, Offensive und vielleicht auch für das eine oder andere Gegentor, das sein Team aus Leichtfertigkeit hinnehmen muss. In Schalke zeigte Bayern eine andere Seite: Es war ein Sieg mit den Mitteln des guten alten Hitzfeld-Fußballs."

Die FAZ ergänzt: "Die Bayern zeichnen sich durch die Effektivität früherer Zeiten aus. Drei Chancen reichten ihnen, um ein Tor mehr zu schießen als der Gegner, der einen immensen Aufwand betrieben hat." Doch lesen wir in der Berliner Zeitung auch: "Über weite Strecken war es trotz des eher nach Sicherheit strebenden Münchner Spielansatzes ein hoch attraktives Fußballspiel."

Hoffenheim verliert in Berlin, und Andreas Burkert (sueddeutsche.de) bestaunt die Vorfreude der Berliner auf den Tabellenführer vom Dorf: "Das Hoffenheimer Spektakel war ausgeblieben, und dennoch: Wenn noch ein paar solcher Abende hinzukommen, noch ein paar ausverkaufte Arenen, noch ein paar schon vorab elektrisierte Metropolen, dann müssen sich die Dorfkicker aus dem Kraichgau in nicht allzu ferner Zukunft wohl bloß noch für ihre stillosen orangenen Auswärtstrikots beschimpfen lassen. Aber nicht mehr für einen Mangel an Tradition."