So unbeliebt scheinen die Hoffenheimer also nicht zu sein, wenn sie fast 60.000 Zuschauer ins Berliner Olympiastadion anziehen (wo sich üblicherweise die Hälfte langweilt). Die FAZ erlebt dies als Überraschungseffekt: "Damit war noch weniger zu rechnen als mit herrlichem Offensivfußball: Hoffenheim als Zuschauermagnet der Bundesliga." Den Berliner 1:0-Sieg habe auch eine Portion Zufall verursacht: "Es war ein Tag, an dem die Hertha für ihre Fehler einfach nicht bestraft und Hoffenheim für seine Mühen nicht belohnt wurde."

Holt Bayer Leverkusen die Vergangenheit ein? Eine 3:0-Führung hat das Team in Karlsruhe aus der Hand gegeben, was unweigerlich "Schlagzeilen von gestern" (SZ) ins Gedächtnis ruft. Stichwort Vizekusen, ein Etikett, das sich Bayer vor Jahren durch schönen Fußball verdiente, der in letzter Sekunde am Erfolg scheiterte.

Katrin Weber-Klüver (Financial Times Deutschland) fasst das Leverkusener Trauma in Worte: "Spielkultur, die keinen Erfolg hat, ist ein Problem. Das ist kein Geheimnis, das ist die Lebenswirklichkeit von Bayer Leverkusen. Nicht gerade seit 1899 wie der tollste Bundesligaverein aller Zeiten, aber doch seit vielen Jahren schafft es Leverkusen fast immer, schön zu spielen. Und nie Meister zu werden. Am Samstag, mitten in ihrem zwölften Ligaspiel konnte man kurz mal denken, vielleicht sei es jetzt so weit, dass Bayer mal nicht nicht Meister wird. Dann fing das Schreckgespenst Erfolg an herumzuspuken."

Die FAZ fragt: "Fehlt das Sieger-Gen? Nach dem 3:3 von Karlsruhe muss die neue Leverkusener Mannschaft die alten Debatten ertragen." Und schiebt eine Diagnose nach: "Das Gift der Nachlässigkeit schlich sich zusehends ein ins Bayer-Spiel."