Die Obamanie in Deutschland hält auch eine Woche nach der Präsidentschaftswahl an. Politiker aller Couleur suchen die Nähe des künftigen "Weltpräsidenten". Die Erwartungen sind gewaltig: Von Barack Obama erhoffen sich alle eine neue partnerschaftliche, weniger martialische Weltpolitik. Mit ihm wollen sie die globale Konjunktur vor dem Absturz retten und das internationale Finanzkapital bändigen, die Erderwärmung stoppen und dem Frieden im Nahen Osten eine neue Chance geben. Nur bei einem Thema werden deutsche Politiker ganz schweigsam: Afghanistan.

Bereits im Wahlkampf hatte Obama deutlich gemacht, dass er in Afghanistan wie der Amtsinhaber George W. Bush auf eine militärische Lösung setzt. Er will die Terrorismusbekämpfung am Hindukusch sogar verstärken und mehr Soldaten dorthin schicken. Zudem hat er deutlich gemacht, dass er eine gerechtere Lastenteilung unter den an dem Einsatz beteiligten Staaten fordert, also auch mehr deutsche Soldaten.

Gleich nach der Amtsübernahme im Januar wird der neue Hausherr im Weißen Haus eine neue Strategie für Afghanistan entwickeln. Der Handlungsdruck ist groß. Doch noch bevor das Nachdenken darüber dies- und jenseits des Atlantiks überhaupt begonnen hat, erklärt das politische Berlin bereits in seltener Eintracht, was nicht geht: die Ausweitung des deutschen Afghanistan-Mandats und der Einsatz von Bundeswehrsoldaten im umkämpften Süden des Landes.

Diese Haltung ist verlogen. Schließlich wissen alle Experten, dass die bisherige Afghanistan-Strategie der Nato gescheitert ist. Sie hat das Land nicht sicherer gemacht und treibt den Taliban immer neue Anhänger in die Arme. Afghanistan droht im Chaos zu versinken. Die Trennung zwischen der internationalen Friedenstruppe Isaf und dem Kampfeinsatz OEF, die fehlende Verknüpfung der zivilen Aufbauhilfe mit dem Anti-Terror-Krieg, haben das Engagement des Westens insgesamt in eine Sackgasse manövriert. Eine Befriedung des Landes ist nicht in Sicht, aber eine Exit-Strategie gibt es auch nicht.

Aus gutem Grund fordern deutsche Politiker deshalb seit Monaten einen Strategiewechsel. Die Kritik an dem häufig einseitig militärischen Vorgehen der Amerikaner und den vielen zivilen Opfern ist unüberhörbar. An der Bush-Administration perlte sie ab. Das könnte sich nun ändern – wenn man es wirklich will.

Die internationale Rollenverteilung in Afghanistan war bislang eindeutig und für die Deutschen im Grunde ganz bequem: Die Strategie wurde in der Vergangenheit maßgeblich von den Amerikanern formuliert. Sie stellen die meisten Soldaten, die zahlten das meiste Geld, sie haben die meisten Opfer zu beklagen. Und deshalb bestimmen sie auch, wo es langgeht.