Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat jüngst die TV-Rechte an der Fußball-Bundesliga für die nächsten drei bis vier Spielzeiten neu ausgeschrieben, bis zum 21. November können fast 40 registrierte Medienunternehmen für 37 Verwertungspakete (TV und Online) bieten. Mit einer Verkündung ist Anfang Dezember zu rechnen. Die Frage ist: Was wird ab 2009/10 alles anders?

Im Spielplan, das steht fest, gibt es zwei markante Änderungen: Erstens finden die beiden Sonntagsspiele zu unterschiedlichen Zeiten statt, nämlich um 15.30 und um 17.30 Uhr; bislang werden beide um 17 Uhr angestoßen. Zweitens wird eins der sechs Samstagsspiele von 15.30 auf 18.30 Uhr verlegt. Durch diese Zersplitterung des Spieltags erhöht sich die Attraktivität der Ware für diejenigen Sender, die Live-Fußball zeigen wollen, also in der Regel Bezahlsender wie Premiere.

Heikel an dem neuen Spielplan ist der frühe Sonntagstermin, der mit dem Amateurfußball kollidiert, dessen Kern, der Herrenfußball, meist sonntags zwischen 14 und 15 Uhr angepfiffen wird. Der DFB entgegnet, weil er im Gegenzug die Sonntagsspiele der Zweiten Liga von fünf auf drei reduziert, verbessere sich sogar der Status des Amateurfußballs in der Summe. Eine Argumentation, deren Stichhaltigkeit erst noch bewiesen werden muss.

Zudem scheint die Spielplanreform ein Affront gegen die ARD-Sportschau zu sein, die um 18.30 Uhr beginnt und die nun gegen die Konkurrenz vermutlich eines Spitzenspiels im Live-Fernsehen antreten müsste. Es könnte sein, dass hinter diesem Plan die Strategie der DFL steckt, die Sportschau nachhaltig zu schwächen.

Das Bundeskartellamt zerschlug nämlich im Sommer den ursprünglichen Plan der DFL, indem es, nach Meinung der Kritiker, eine "Lex Sportschau" entwarf. Das Amt hat bejaht, dass die Bundesliga ein Kartell sei, dieses aber unter einer Bedingung zugelassen: Der Verbraucher müsse davon profitieren, und das tue er nur, wenn eine zeitnahe Höhepunktberichterstattung im Free-TV gewährleistet sei. Zwar war nicht ausdrücklich von der ARD die Rede, doch faktisch schützt der Spruch des Kartellamts die traditionsreichste deutsche Fußballsendung. Der geplante Deal der DFL mit Sirius, einem Zwischenhändler, der von Leo Kirch gesteuert wird, scheiterte, weil ihm die Grundlage entzogen war – ein Rückschlag für die DFL, der Vertrag hätte ihr 500 Millionen pro Jahr zugesichert.

Eine Schwächung der Sportschau (oder eines ähnlichen Formats in einem konkurrierenden Free-TV-Sender) könnte negative Folgen für den Fußball, seine Fans und seine Sponsoren haben: Der Fußball würde ein Stück ins Bezahlfernsehen sickern, die Reichweite sänke und damit die Sichtbarkeit der Vereinssponsoren. Der Vorstandsvorsitzende der Sponsorenvereinigung S 20 Dirk Huefnagels teilt mit: "Das Samstagsspiel um 18.30 Uhr bei gleichzeitiger Zusammenfassung im Free-TV ist kritisch zu sehen." Huefnagels formuliert diplomatisch: "Wie und ob sich das Preis-/Leistungsverhältnis unserer Sponsorings ändern wird, werden die Mediawerte zeigen, die wir sehr genau beobachten werden." Deutsche Profivereine erhalten zwar weniger TV-Einnahmen als die Rivalen aus England und Spanien, doch in Sachen Sponsoring ist die Bundesliga mit an der Spitze Europas.