Neue Abschreibungen von 650 Millionen Euro führten zu einem operativen Fehlbetrag der Dresdner von 834 Millionen Euro, wie der Versicherungsriese am Montag mitteilte. Ohne Anwendung der jüngst gelockerten Bilanzierungsregeln wäre sogar ein Milliardenverlust angefallen - die neue Vorgaben führten zu Entlastungen von mehr als 400 Millionen Euro. 

Insgesamt summieren sich die krisenbedingten Abschreibungen bei der Dresdner Bank mittlerweile auf mehr als 3,7 Milliarden Euro. Die Wertberichtigungen auf strukturierte Finanzprodukte fallen ausschließlich in der Investmentbanksparte Dresdner Kleinwort an, die die Commerzbank nach der Übernahme im kommenden Jahr deutlich zurückfahren will. Im Handelsbuch von Dresdner Kleinwort schlummern weitere milliardenschwere Engagements in kritische Papiere - neue Abschreibungen sind daher Experten zufolge nicht auszuschließen.

Doch nicht nur im Investmentbanking, auch im klassischen Bankgeschäft mit Privat- und Firmenkunden schlägt sich die Krise bei der Dresdner Bank mittlerweile mit voller Wucht nieder. Wegen geringerer Kundenaktivitäten an den schwierigen Kapitalmärkten ging der Provisionsüberschuss im dritten Quartal um 17,6 Prozent auf 547 Millionen Euro zurück. Der Zinsüberschuss sank ebenfalls um mehr als zehn Prozent, was die Allianz aber vor allem auf die neuen Bilanzregeln zurückführte. Diese geben Banken die Möglichkeit, bestimmte Kreditpapiere aus dem Handelsbuch ins Bankenbuch umzugruppieren. Damit müssen sie zwar nicht mehr nach dem Marktpreis bewertet werden, was Abschreibungen verhindert. Zugleich kann dies aber bei drohenden Ausfällen die Risikovorsorge oder generell auch die Zinsaufwendungen erhöhen.

Der vierte operative Quartalsverlust in Folge zehrt auch zunehmend an der Kapitaldecke der Dresdner Bank: Die Kernkapitalquote sank per Ende September auf 8,1 Prozent von 9,3 Prozent Ende Juni. Damit liegt das Institut im internationalen Branchenvergleich im unteren Bereich. Die Commerzbank hatte unlängst angekündigt, staatliche Kapitalhilfen in Anspruch zu nehmen, auch um für die Anfang 2009 anstehende Übernahme der Dresdner Bank gewappnet zu sein. Der Verkauf drückte im dritten Quartal bei der Dresdner Bank auch die Kosten nach oben. Sie stiegen im Jahresvergleich um ein Viertel auf 1,25 Milliarden Euro. Der Grund: Höhere Bonuszahlungen wegen des vereinbarten Verkaufs. Die Commerzbank will nach der Dresdner-Übernahme 9000 Stellen im fusionierten Konzern streichen.