Das Kapitel Dresdner Bank geht für Europas größten Versicherer nach verlustreichen Jahren schmerzvoll zu Ende. Zum Abschied brockt das von der Finanzkrise gebeutelte Sorgenkind dem Konzern einen Milliarden-Verlust ein und verhagelt ihm auch noch seine Gewinnziele. Denn die Talfahrt an den Börsen lässt den Verkaufserlös für die Bank-Tochter rechnerisch zusammenschmelzen. Branchenexperten und Aktionärsschützer sind trotzdem überzeugt davon, dass die Trennung von der Dresdner Bank die einzig richtige Entscheidung war. "Das ist dieser wirkliche Befreiungsschlag", sagt Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

Auch für den Allianz-Spezialisten Konrad Becker von Merck Finck war die Trennung von der Bank überfällig."Offensichtlich waren die Geschäftsmodelle zu unterschiedlich, es gab zu wenige gemeinsame Geschäftsbereiche, die durch eine Addition gewonnen hätten", sagt der Analyst. Auch ohne die Problem-Tochter stehe die Allianz jetzt vor großen Herausforderungen. So kann derzeit niemand absehen, wann sich die Turbulenzen an den internationalen Kapitalmärkten beruhigen.

Allianz-Vorstand Helmut Perlet stimmte die Anleger deshalb schon einmal auf eine weitere Milliarden-Abschreibung im vierten Quartal ein, falls eine Erholung an den Börsen ausbleibt. Auch die drohende Wirtschaftskrise lässt dunkle Wolken in der Versicherungsbranche heraufziehen: "Wenn wir eine scharfe, weltweite Rezession bekommen, geht das nicht spurlos an der Allianz vorüber", sagt Becker. Bremsspuren spürt der Konzern schon jetzt beim schwächelnden Verkauf fondsgebundener Produkte in der Lebens- und Krankenversicherung.

Ende August hatte die Allianz den Verkauf der Bank-Tochter an die Commerzbank bekanntgegeben und damit den kostspieligen Ausflug in die Allfinanz-Welt weitgehend beendet. Übrig bleiben im Bankgeschäft der Allianz damit unter anderem noch die Oldenburgische Landesbank und die von den Allianz-Agenturen geworbenen Bankkunden.

Weil ein großer Teil des Geschäfts in den inzwischen stark gesunkenen Commerzbank-Aktien bezahlt wird, kommt der Versicherer künftig auf einen 28,6-Prozent-Anteil an der Frankfurter Bank. Becker geht allerdings fest davon aus, dass das nur eine Liaison auf Zeit ist. "Ich glaube nicht, dass es Ziel der Allianz ist, bis in alle Ewigkeit an dem Anteil festzuhalten." Der Versicherer dürfte nun eine Erholung der Commerzbank-Aktien abwarten, um einen günstigen Zeitpunkt für einen profitablen Ausstieg abzupassen.

Auch andere Branchengrößen hatten die Verwerfungen an den Kapitalmärkten zuletzt hart getroffen. So war der Rückversicherer Münchener Rück im dritten Quartal nur mit knapper Not an einem Verlust vorbeigeschrammt und hatte seine Gewinnerwartungen zum zweiten Mal in diesem Jahr gekappt. Der Wettbewerber Hannover Rück verbuchte angesichts der Finanzkrise in den ersten neun Monaten einen dreistelligen Millionen-Verlust und auch der Schweizer Rückversicherer Swiss Re war im dritten Quartal überraschend in die roten Zahlen gerutscht. Am härtesten trifft es aber den krisengeschüttelten US-Versicherer AIG: Im dritten Quartal türmte der staatlich gestützte Konzern, der in der Branche einst als Maßstab in puncto Ertragskraft galt, einen Rekordverlust von 24,5 Milliarden Dollar auf.