Die Musikpresse der letzten Wochen liest sich wie ein Wetterbericht. Wirbelsturm Grace zieht durch das Land und reißt jeden mit. Es geht nicht um eine Naturgewalt, sondern um Hurricane, das neue Album von Grace Jones.

Tobias Rapp bejubelt in der taz "eine elegante und friedliebende Kriegsmaschine voll monströser Killergrooves" aus der Feder von Sly & Robbie, jener "jamaikanischen Killermaschine mit Studio auf Barbados".

"Deshalb hören sich ihre alten Stücke heute noch so frisch an. Und deshalb ist auch Hurricane eine Platte, die so mühelos im Hier und Jetzt agiert." Killer, friedliebend, Kriegsmaschine? Ach ja, die Musikpresse und ihr Vokabular!

Lächerlich wirken einige Vorwürfe aus der Blogosphäre: Das Grace-Jones-Stück Corporate Cannibal sei latent antisemitischen Inhalts, heißt es. Im Blog Neues und Bekanntes diskutiert man eifrig über den "Fall Grace Jones".

Die Argumente der Jones-Gegner erschöpfen sich jedoch schnell, auch wenn sie in Form von Bleiwüsten vorgetragen werden. Fassen wir die Vorwürfe schnell zusammen: Grace Jones verknüpfe Freimaurertum mit globalem entfesselten Kapitalismus und bediene somit antisemitische Klischees. Nur, beißt sich da nicht die Katze in den Schwanz? Denn mit antisemitischen Argumenten ist nur der eigene Antisemitismus zu belegen; in vorauseilender Form.

Traurig ist etwas anderes: Die südafrikanische Sängerin Miriam Makeba ist tot. Dieter Bartetzko schreibt in der FAZ einen Nachruf. "Viele Franzosen empfanden die Künstlerin als eine Art neue, zeitgemäße Josephine Baker. Denn auch die 'Schwarze Venus' war erst in Paris zum Weltstar geworden, und blieb in ihrer Heimat Amerika, wo man von der Anfängerin keine Notiz genommen hatte, zeitlebens umstritten."