Eigentlich hat Danielle Prince aus Washington alle Voraussetzungen, einen Studienplatz an einer der angesehenen US-Unis zu bekommen: guter Notenschnitt, Disziplin und Talent. Nur an Geld mangelt es der 18-Jährigen. "Meine Wunsch-Unis hatte ich eigentlich nach Qualität ausgesucht und nicht nach den Studiengebühren", sagt sie. Jetzt aber müsse sie umdenken. Die Finanzkrise betrifft auch ihre Familie, ihre Eltern können sie nicht so unterstützen, wie sie es geplant hatten.

So wie Danielle geht es derzeit vielen angehenden Studenten in den USA. Der Universitätsverband American Council on Education (ACE) vermeldete vor wenigen Tagen einen Anstieg der Studiengebühren an privaten Unis im ersten Halbjahr 2008 um 5,9 Prozent auf knapp 25.000 Dollar. An öffentlichen Unis stiegen die Gebühren um 6,4 Prozent auf rund 6500 Dollar. Eigentlich ist das kein Grund zur Sorge für ACE-Präsidentin Molly Corbett Broad. Der Anstieg sei vergleichbar mit dem der Vorjahre und durchaus im Rahmen. Doch sie sagt auch: "Ich befürchte, dass dieser Anstieg nur eine Momentaufnahme ist." Die Auswirkungen der Finanzkrise seien noch gar nicht eingerechnet. Sie befürchtet, dass die Universitäten auf eine sehr schwierige finanzielle Zukunft zusteuern.

Beispiele dafür gibt es in den USA bereits genug: Die Universität Boston kündigte einen Einstellungsstopp an. Auch an Uni-Gebäuden würden vorerst keine Ausbesserungen mehr vorgenommen. "Der Kollaps vieler Bankinstitute und der Abschwung am Finanzmarkt machen diese drastischen Maßnahmen nötig" heißt es von der Uni. Drastisch darum, weil die Uni Boston in diesem und dem vergangenen Jahr ein Rekordergebnis eingefahren hatte: Die Stiftungsgelder stiegen um zwei Prozent auf satte 1,2 Milliarden Dollar.

An anderen Universitäten sind die Einnahmen durch Stiftungsgelder bereits stark eingebrochen: Die Zuwendungen an das private Oberlin College im US-Bundesstaat Ohio gingen in den vergangenen vier Monaten um rund 15 Prozent auf 750 Millionen Dollar zurück, an der Universität von Wisconsin sanken sie gar um 18 Prozent.

Viele US-Unis setzen zur Finanzierung neben staatlichen Fördermitteln und Stiftungsgeldern auch auf Spekulationen am Aktienmarkt. Der Crash von Dow, Dax und Nikkei hat darum auch die Unis erreicht. "Viele Unis sehen den Wert ihres Aktien-Portfolio sinken", sagt Andrew Gillen vom Center for College Affordability and Production (CCAP) in Washington. Bei einigen müsse man mit finanziellen Engpässen rechnen.

Drastischer beschreibt Richard Vedder, ebenfalls Forscher am CCAP, die Lage der privaten Unis: "An den meisten Unis werden die Stiftungsgelder um zehn Prozent zurückgehen". Vor allem Elite-Unis wie Yale, Harvard oder Stanford sind auf spendable Geldgeber angewiesen. Knapp 40 Prozent des Gesamtetats der Unis speisen sich daraus. Um rund zwei Prozent würde deshalb das Gesamtbudget an reichen US-Unis zurückgehen, sagt Vedder.