Da steht er nun auf der Bühne, die provisorisch auf der Ladefläche eines Lastwagens aufgebaut wurde, gleich neben dem meterhohen Zaun des Präsidentenpalastes des georgischen Präsidenten Michail Schaakaschwili. Über dem Wagen hängt ein Schild: "Stop Russia, stop Mischa." Mischa, damit ist Michail Saakaschwili gemeint. Früher ging Giorgi Chaindrawa in seinem Palast ein und aus – als er noch Saakaschwilis Integrationsminister war. Aber das ist über zwei Jahre her.

Chaindrawa hält seine Schiebermütze in den Händen und knetet sie unbeholfen. Er läuft rot an und brüllt mit ganzer Wut den Menschen zu: "Mischa, es ist Zeit für Dich, zu gehen. Du bist eine Schande für das Land!" Tausende jubeln. An das Tor des Präsidentenpalastes haben sie ein Schild mit drei Forderungen angebracht: "Freiheit für Imedi TV, Freiheit für politische Gefangene, freie und faire Wahlen." Rote Lettern auf weißem Hintergrund. Wie die georgische Fahne. 10.000 sind zu dieser Demonstration gekommen, zu der Oppositionsführer aufgerufen haben.

Dieser 7. November ist in zweifacher Weise besonders. Man erinnert sich an diesem Tag an zwei nationale Tragödien.

Zum einen ließ der georgische Präsident Michail Saakaschwili vor genau einem Jahr brutal friedliche Proteste niederschlagen – mit Knüppeln, Wasserwerfern und Tränengas. Am gleichen Tag wurde der TV-Sender Imedi gestürmt. Nachdem Sondereinheiten die Instrumente und Einrichtung zum großen Teil zertrümmerten, ließ Saakaschwili den Sender vorübergehend schließen.