Die tief in der Krise steckenden US-Autobauer General Motors und Ford haben für neue Hiobsbotschaften gesorgt. Der amerikanische Marktführer GM gab am Freitag einen operativen Quartalsverlust von 4,2 Milliarden Dollar bekannt. Selbst die deutsche Tochter Opel, lange Zeit eine Stütze des kriselnden Konzerns, konnte sich dem Abwärtstrend nicht entziehen.Im gesamten Europageschäft entstand ein bereinigter Vorsteuerverlust von 974 Millionen Dollar nach minus 136 Millionen vor Jahresfrist. GM kündigte weitere Sparmaßnahmen und den Abbau von Arbeitsplätzen an.

Opel-Betriebsratschef Klaus Franz warf der GM-Führung vor, die in den USA entstandenen Verluste durch interne Verrechnungsmethoden auf die Rüsselsheimer Tochter abzuwälzen. "Die Verluste sind nicht in Europa entstanden", sagte er Franz.Der Konzern berechne Entwicklungskosten je verkauftem Wagen. Durch den massiven Verkaufsrückgang auf dem Heimatmarkt würden die Kosten den anderen Regionen angelastet. Der europäische Betriebsrat werde mit dem Vorstand von GM Europe umgehend Gespräche über weitere Einsparungen aufnehmen. Opel macht etwa 80 Prozent des gesamten Europageschäfts von GM.

Ford steht nicht besser da. Der GM-Konkurrent häufte im selben Zeitraum einen operativen Verlust von 2,98 Milliarden Dollar (2,3 Milliarden Euro) an, der deutlich höher lag als von Analysten erwartet. Nach Kostensenkungen um 15 Prozent kündigte Vorstandschef Alan Mulally bei den Personalkosten weitere Einsparungen um zehn Prozent an. Außerdem sollen Firmenteile verkauft und die Produktion im vierten Quartal weiter zurückgefahren werden.

Dabei verfügt Ford noch vergleichsweise üppige Barmittel. Inklusive abrufbarer Kredite standen dem Konzern Ende des dritten Quartals liquide Mittel von knapp 30 Milliarden Dollar zur Verfügung. Die US-Hersteller bekommen seit Monaten die Folgen der Abkehr der Verbraucher von spritdurstigen Kleinlastern und Geländewagen schmerzvoll zu spüren. Nun sorgt die Finanzkrise auch noch dafür, dass sie sich bei den Banken kaum noch frisches Geld leihen können.

Die Konzerne geraten damit in die Zange und rufen immer lauter bei US-Politikern nach Staatshilfen. Laut Verhandlungskreisen fordern die einstigen "großen Drei" Chrysler, Ford und GM nach dem bewilligten 25 Milliarden Dollar schweren Kreditpaket zur Entwicklung spritsparender Autos weitere 25 Milliarden Dollar für Zahlungen in einen Krankenversicherungsfonds für pensionierte Arbeiter.

Analysten erwarten eine Serie von Milliardenverlusten, weil der US-Automarkt über Jahre durch billige Finanzierungen künstlich aufgebläht war und nun die Luft entweiche. "Das wird eine Megakrise, wie wir sie seit dem zweiten Weltkrieg nicht mehr erlebt haben", sagte Jürgen Pieper, Branchenexperte des Bankhauses Metzler. Er rechnet mit einer "Eiszeit der Autobauer" und mit zweistelligen Rückgangsraten bei Absätzen in Europa.