Das ist symptomatisch für die russische Militärindustrie. In den neunziger Jahren durchlebte sie eine existenzielle Krise, von der sie sich bis heute nicht erholt hat. Nur die chinesischen und indischen Aufträge verhinderten damals den völligen Zusammenbruch. Als Folge der Krisenzeit konzentrierte sich die Produktion auf exportfähige sowjetische Waffensysteme und hat einen Großteil der Innovationsfähigkeit eingebüßt. Das Durchschnittsalter der hochqualifizierten Fachleute nähert sich der Rentengrenze. "Der technologische Rückstand gegenüber den amerikanischen Streitkräften liegt bei 15 Jahren", urteilt Militärwissenschaftler und General Wladimir Dworkin. "Und er vergrößert sich."

Besondere Stärken zeigt die russische Waffenindustrie noch beim Bau von Boden-Luft-Raketen und Kampfflugzeugen. Aber auch hier gibt es vermehrt Reklamationen: Algerien hat im Februar Russland 15 gekaufte MiG-29-SMT-Jagdflugzeuge vermutlich nicht nur auf Druck der französischen Waffenlobby zurückgeschickt. Über aufmontierte "Gebraucht-Ersatzteile" und "verrostete Bausätze" wurde geklagt. Käuferländer wie Indien bestehen gegenüber Russland auf Cockpittechnologie und Panzervisieren aus Frankreich oder Israel.

Bisher ist zwar unklar, warum sich die Männer in der ersten und zweiten U-Boot-Sektion der Nerpa nicht mit ihren tragbaren Atemgeräten gerettet haben. War es ein technischer Defekt oder der in Russland oftmals entschuldigend bemühte "menschliche Faktor"?

Der Unfall an Bord der Nerpa dürfte in jedem Fall das Misstrauen der indischen Regierung verstärken, die ihn womöglich nutzt, um den Preis zu drücken. Für Russland kommt er zumal während der Finanzkrise, die dem Wirtschaftsboom der vergangenen acht Jahre ein Ende setzt, ungünstig. Er zerstört die Traumbilder der Großmannssüchtigen.