In der hessischen SPD gibt es nach der gescheiterten Regierungsübernahme ernsthafte Überlegungen, doch noch mit der CDU über die Bildung einer großen Koalition zu sprechen.

Der stellvertretende Vorsitzende der südhessichen SPD, Thorsten Schäfer-Gümbel, sagte dem Tagesspiegel : "In unserer jetzigen Situation sollte man gar nichts ausschließen, sondern alle denkbaren Optionen in den nächsten 48 Stunden durchdeklinieren." Die Landespartei stehe "vor der Wahl zweier Übel", sagte Gümbel. "Und egal, wie wir uns entscheiden, wird es schwierig."

Der stellvertretende Vorsitzende des SPD-Bezirks Hessen-Nord, Norbert Schüren, sagte, die große Koalition sei zwar "nicht wahrscheinlich, aber als Notwehrreaktion nach dem Verrat denkbar". Schüren gehört zum linken Flügel der Landespartei.
Die große Koalition "wäre der Versuch, dem Land eine stabile Mehrheit zu geben und der SPD eine Reißleine zuzuwerfen", sagte er. "Die Alternativen wären eine Regierung, die gegen uns gebildet wird, oder eine Neuwahl, nach der die SPD sicherlich nicht die Alleinherrschaft übernehmen würde."

Die Süddeutsche Zeitung meldete unterdessen, dass der frühere Fraktionsvorsitzende Jürgen Walter die Bildung einer eigenen Fraktion im Landtag plante. Walter, der Ypsilantis Wahl zur Regierungschefin am Montag verhinderte, habe demnach schon vor Tagen anderen Abgeordneten von dieser Option vorgeschwärmt. Walter hätte darauf verwiesen, dass eine Fraktion, bestehend mindestens aus fünf Abgeordneten, auch Posten besetzen kann, etwa des Vizepräsidenten oder des parlamentarischen Geschäftsführers.

Gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung betonten die bislang vier SPD-"Abweichler" jedoch, dass sie "keinen von CDU und FDP gestützten Ministerpräsident" wählen werden.