Herr Schäfer-Gümbel, wie wollen Sie die SPD retten?

Wir müssen mit unseren Themen wieder durchdringen. Themen, die ja schon bei der Wahl am 27. Januar dieses Jahres eine gesellschaftliche Mehrheit fanden. Wenngleich mir klar ist, dass die Attacken der bürgerlichen Parteien schon auf mich gerichtet werden, aber das macht nichts. Ich freue mich auf diesen Wahlkampf.

Hatten Sie überhaupt die Chance, über ihre Kandidatur bei diesem schwierigen Unterfangen nachzudenken oder ging alles sehr schnell?

Erste Gespräche gab es am Freitagabend , als die Parteispitze verschiedene Modelle diskutierte, unter anderem auch das Modell Generationswechsel, für das ich stehe. Ich wurde gefragt, ob ich es mir vorstellen könne. Nachts habe ich dann mit meiner Frau darüber beraten und wir haben gemeinsam die Entscheidung getroffen, dass ich nur antreten werde, wenn ich kein Kandidat für ein paar Wochen bin, sondern, dass damit ein langfristiger Generationswechsel über die Wahl hinaus eingeleitet wurde. Das habe ich dann am Samstagmorgen vor der Sitzung des Parteirates mit der Parteispitze besprochen. Die Unterstützung für diesen Kurs war da.

Aber wäre es nicht ein eindeutigeres Signal für einen Generationswechsel gewesen, wenn Andrea Ypsilanti auch den Weg für Sie als Parteichef frei gemacht hätte? Nur so wäre es ein echter Neuanfang.

Nein. Ich habe nur knapp 70 Tage Zeit für einen schwierigen Wahlkampf. Das ist fast gar nichts. Und da will ich mich nicht mit der Frage der Parteiführung befassen. Als Spitzenkandidat muss ich sofort loslaufen können, dafür brauche ich keine weiteren formalen Funktionen. Egal wie: Es ist zugegebenermaßen ein sehr ambitioniertes Projekt.

Wie muss man sich das Zusammenspiel Ypsilanti und Schäfer-Gümbel vorstellen? Gibt sie als Parteichefin die Direktive, die Sie als Spitzenkandidat umsetzen müssen?

Nein. Der Spitzenkandidat hat per se ein Vorzugsrecht bei inhaltlichen und personellen Fragen. Aber da gibt es auch keine Differenzen, denn wir werden mit den Themen antreten, für die Andrea Ypsilanti erfolgreich gekämpft hat. Diese Ziele sind ja nicht falsch geworden. Allerdings werden wir auch nachjustieren müssen, weil Themen dazugekommen sind, die sich in ihrer Wucht vor einem Jahr noch nicht abgezeichnet hatten: die Finanzmarktkrise zum Beispiel.

Was schlagen Sie da vor?

Es geht um neue Kontrollmechanismen und darum, den Kreditkreislauf, der vor allem für mittelständische Unternehmen wichtig ist, am Leben zu halten.