Der zurückgetretene SPD-Landesvorsitzende warf Andrea Ypsilanti vor, sie verhindere mit dem Festhalten an ihren Ämtern, dass der neue Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel aus ihrem "Windschatten" treten könne. "Es hätte seine Chancen und damit der SPD erhöht, wenn sie mindestens eins der beiden Ämter aufgegeben hätte", sagte Walter in der ARD-Sendung Beckmann .

Außerdem beschuldigte Walter Ypsilanti erneut, sich früh auf eine von der Linken tolerierte rot-grüne Minderheitsregierung versteift zu haben. Der innerparteiliche Diskussionsprozess sei in diesem Fall nicht ergebnisoffen gewesen.

Seine eigene politische Zukunft sieht er eher düster. Er rechne nicht damit, sein Landtagsmandat behalten zu können.

In der Sendung warfen Walter und seine drei Mitstreiterinnen Silke Tesch, Carmen Everts und Dagmar Metzger Ypsilanti vor, ihre wiederholten Einwände und Warnungen missachtet zu haben. Ypsilanti habe "durchregieren" wollen, sagte Everts. Sie habe auf die Abhängigkeit der Abgeordneten von ihrem Mandat spekuliert: "Das ist etwas, was mich fassungslos gemacht hat."

Ihre Kollegin Tesch erklärte, sie habe "gebetsmühlenartig" in jeder Fraktionssitzung vorgetragen, welche Probleme sie bei einer Zusammenarbeit mit der Linken sehe. Etwa eine Woche vor dem Wahltermin habe Ypsilanti ihr den Posten einer Landtagsvizepräsidentin in Aussicht gestellt. Sie lasse sich aber nicht kaufen. Die Abgeordnete Metzger, die sich schon im März Ypsilantis Vorhaben verweigert hatte, verglich die Stimmung bei einer damaligen Parteiratssitzung mit einem Tribunal.

Unterdessen bekräftigte Schäfer-Gümbel, dass er keine Ambitionen auf den Partei- und Fraktionsvorsitz habe. Er müsse sich voll auf die Landtagswahl Mitte Januar konzentrieren. "Der Spitzenkandidat ist derjenige, der die Hauptverantwortung für Themen, für Personal und für Organisation hat. Um Partei und Fraktion, die weiter von Andrea Ypsilanti geführt werden, kann ich mich nicht kümmern."

Der gescheiterte Machtwechsel an der Spitze des Bundeslandes beschäftigt auch die Basis der SPD. So hat es bei den hessischen Sozialdemokraten mehr als 100 Parteiaustritte gegeben. Im SPD-Bezirk Hessen-Nord waren es etwa 50, im Bezirk Hessen-Süd etwa 75, berichteten die Bezirksgeschäftsführer. Gleichzeitig habe es in Südhessen zur selben Zeit aber auch 20 Eintritte gegeben. Die meisten Mitglieder begründeten ihren Austritt mit dem Verhalten der vier Abweichler, die Parteichefin Ypsilanti die Gefolgschaft verweigerten, hieß es.