Das neue Modell, auf das sich die Koalitionsparteien am Dienstag verständigten, sieht nach Angaben von SPD-Fraktionschef Peter Struck vor, dass jeder, der in denkommenden sechs Monaten einen
umweltfreundlichen Neuwagen kauft, zwei Jahre lang keine Kfz-Steuer zahlen muss. Ursprünglich sollten nach den Plänen der Bundesregierung alle Neuwagen-Käufer ein Jahr lang von der Kfz-Steuer befreit werden. Für besonders schadstoffarme Wagen sollte die Befreiung ein Jahr länger bis Ende 2010 gelten.

In der Koalition gab es jedoch zunehmend Kritik, dass diese Aktion wirkungslos verpuffen könnte und sie den Autoabsatz nicht wie geplant verstärkt. Außerdem soll jetzt in Absprache mit der Union eine
"Verschrottungsprämie" für alte Autos geprüft werden. Darauf hatte auch die Autoindustrie gedrungen.

Die SPD-Fraktion wollte die ursprünglich geplante generelle Steuerbefreiung nicht mittragen. Sie war erst in der vergangenen Woche vom Bundeskabinett als zentraler Bestandteil des Konjunkturpakets beschlossen worden. In der SPD wurde jedoch vor allem die fehlende ökologische Komponente kritisiert, weil von dem befristeten Steuererlass auch Spritfresser profitieren sollten. In der Union hatte sich ebenfalls Widerstand formiert.

Erhebliche Kritik gab es auch in der Autobranche selbst. "Unter der Hand sagen viele, dass es ihnen nichts bringen wird, die Käufer von Neuwagen für zwei Jahre von der Kfz-Steuer zu befreien, wie es die Regierung gerade beschlossen hat", sagte Ferdinand Duddenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen ZEIT ONLINE. Die Unternehmen befürchteten, das werde nur zu Mitnahmeeffekten führen. Viel lieber würden sie daher eine Verschrottungsprämie für Altwagen sehen, wie Opel sie am Montag gefordert hatte. Dass die Politik nun dennoch eine Befreiung von der Kfz-Steuer plant, erklärt sich Duddenhöfer mit "Kommunikationsschwierigkeiten zwischen dem Verband der Automobilindustrie und seinen Mitgliedern".

Scharfe Kritik an der geplanten Aussetzung der Kfz-Steuer hatten  auch Umweltverbände geübt. So rechnete die Deutsche Umwelthilfe vor, dass der Kauf besonders emissionsstarker Autos wie Sport- oder Geländewagen mit bis zu 1856 Euro gefördert werde, während für umweltfreundliche Autos nur bis zu 203 Euro erlassen würden.