Offensichtlich verging er sich fünf Jahre lang immer wieder an dem Jungen. Dann fanden Ermittler der kanadischen Polizei Tausende Kilometer vom Tatort entfernt die Spur, die zum Täter führte. In Halle (Sachsen-Anhalt) muss sich von Freitag an vor dem Landgericht ein 36 Jahre alter Mann in Sachen Kinderpornografie verantworten.

Der Angeklagte soll nicht nur eine große Sammlung von Digitalfotos besessen haben, auf denen ein unerträglicher Missbrauch Minderjähriger zu sehen war. Er verging sich zudem laut Anklage elf Mal an seinem Opfer, einem Neunjährigen, für den er die Vaterschaft übernommen hatte. Die Bilder dieser Taten stellte der Angeklagte ins Internet.

Ins Rollen kamen die Ermittlungen gegen den 36-Jährigen, als die Fahnder in Übersee Kinderpornografie-Bilder ausgewertet hatten. Die Beamten achteten, wie in solchen Fällen üblich, dabei vor allem auf mögliche Hinweise auf den Tatort oder den Täter auf den Fotos. Im aktuellen Fall etwa waren Schulbücher zu sehen. Ermittlungen ergaben: Die Bücher waren in Deutschland und dort in Sachsen-Anhalt im Gebrauch. "Über eine Umfrage an Schulen wurde dann eines der Opfer identifiziert", so der Sprecher des Hallenser Landgerichts.

So ungewöhnlich der Ermittlungserfolg auf den ersten Blick erscheint: Wohl in kaum einem Feld außer der Bekämpfung islamistischen Terrors ist die Zusammenarbeit der Polizei international so eng wie beim Kampf gegen Kinderpornografie. Zwar gibt es nicht nur in Deutschland immer noch viel zu wenige Fahnder, die sich gegen die steigende Flut der Missbrauchs-Aufnahmen stellen. Und immer noch kämpfen die Polizisten mit unzureichender Ausstattung, etwa fehlenden Internet-Zugängen.

Doch die wenigen Polizisten, die etwa in den Landeskriminalämtern (LKA) in Sachen Sexualdelikte an Kindern ermitteln, sind meist hoch motiviert – was sicher mit dem Thema zu tun hat. Als führend gelten dabei unter anderem Fahnder aus dem LKA Sachsen-Anhalt, wo es eine zentrale Ermittlungsstelle gibt. Sie hatten mit der Staatsanwaltschaft 2003 in der Aktion Marcy 26.000 Tatverdächtige in 166 Ländern weltweit ermittelt und eine ganze Lawine an Verfahren ausgelöst.

Diese Fahnder sind oft selbst Familienväter und setzen sich fast täglich Bildern aus, die schwer zu ertragen sind. Einhellig berichten die Experten von immer brutaleren Szenen, die in einschlägigen Kreisen kursieren und auf Nachfrage stoßen. "Mehr, als wir uns jemals ausmalen können", sagen Beamte. Polizisten, die die schreckliche Arbeit auf sich nehmen müssen, Bilder oder Videos zu sichten, können diesen Job oft nur für kurze Zeit aushalten.