Wenn man nicht wüsste, dass die Quandts anders ticken, könnte man auf einen nahe liegenden Gedanken kommen: Dass Susanne Klatten ihren Plan einer vollständigen Übernahme der Altana vor allem deshalb jetzt bekannt gegeben hat, um das Opferimage nach dem jüngsten Erpressungsfall so schnell wie möglich loszuwerden. Tatsächlich geht es ihr aber ums Geld - und um ihre unternehmerische Ambition.

Susanne Klatten hat die Kontrollmehrheit an der Altana 1982 von ihrem Vater Herbert Quandt geerbt – zusätzlich zu seinem dicken Paket an BMW-Aktien. Die Altana stellte sich im Laufe der Zeit als echte Perle heraus, das Magenmittel Pantoprazol wurde ein großer Erfolg. Das Unternehmen stieg sogar in den Dax auf und brachte seine Aktien in den Handel an der Wallstreet.

Weil es den Forschern in den Pharmalabors aber nicht gelang, ähnlich umsatzträchtige Medikamente zu entwickeln, entschieden sich das Management und die Großaktionärin, die Pharmasparte an die dänische Firma Nycomed zu verkaufen. Der Erlös wurde an die Aktionäre ausgezahlt, und Klatten kassierte im vergangenen Jahr mit knapp 2,4 Milliarden Euro die höchste Ausschüttung an einen Einzelaktionär, die die deutsche Wirtschaft je gesehen hat.

Das Geld bunkerte die Milliardärin in ihrer SKion GmbH. Und fortan war das interessierte Publikum gespannt, was sie damit anstellen würde. Als Erstes stieg sie vor drei Monaten mit 20 Prozent  bei der Windkraftfirma Nordex ein. Jetzt nutzt sie die Barschaft, um den anderen Aktionären der Altana-Chemiesparte ein Angebot zur Übernahme ihrer Papiere zu machen. Klatten hält nach der Abspaltung der Pharmasparte weiterhin 50,1 Prozent der Aktien des Unternehmens.

Der Zeitpunkt ist günstig. Im Zuge der Finanzkrise ist der Kurs der Altana stark gefallen. Für langfristig denkende Investoren, wie die Quandts es traditionell sind, ist der gegenwärtige Kurs ein Kaufkurs. Klatten bietet den Aktionären 13 Euro je Aktie, und wenn alle das Angebot annähmen, würde die Übernahme rund 910 Millionen Euro kosten.